Erwachsensein ist auch nicht mehr, was es mal war. Reife und Gelassenheit, Weitblick, das Einstehen für die eigenen Taten, hach, wie war das schön! Und erhaben! Heute hingegen reichen einige Zehntausend Kinder aus, die freitags fürs Klima demonstrieren und dazu – Schreck, lass nach – die Schule schwänzen, und schon verliert die organisierte Gerontokratie die Fassung.

 
 

Der CDU-Generalsekretär versucht, die junge Heldin der Bewegung, Greta Thunberg, in Mitleid und Herablassung zu ertränken. Der Vorsitzende der FDP entmündigt sie per Interview und will lieber die "Profis" ranlassen. Und das sind nur die Gegner der "Fridays for Future"-Bewegung. Noch perfider sind ihre Befürworter, die sie so hochleben lassen, dass ihre eigene Politik locker unten durchpasst. Angela Merkel wiederum klopft den jungen Leuten auf die Schulter und zwickt sie für ihre Ungeduld zugleich in die Wange – so als ob die Unterschiede zwischen der Klimapolitik der Regierung und den Klimaforderungen der Aktivisten bloß eine Frage des Temperaments wären.

1968 war ein Kindergeburtstag – verglichen mit dem beginnenden Generationenkonflikt

Das sind sie keineswegs. Um die Klimakrise im Rahmen zu halten, müssen die Industriestaaten ihren CO₂-Ausstoß laut Pariser Abkommen und einhelliger wissenschaftlicher Expertise binnen dreißig Jahren auf nahe null reduzieren. Wer weiß – und die jungen Leute wissen es –, wie mit der Klimafrage in den vergangenen dreißig Jahren verfahren wurde, der weiß auch, wie wenig Zeit das noch ist. Und dieser Zeitdruck konstituiert eben einen durchaus materiellen und harten Interessengegensatz zwischen denen, die in dreißig Jahren fünfzig, und jenen, die dann hundert sind. Weil den einen dann das Wasser bis zum Hals stehen könnte, während die anderen nicht mehr auf dieser Welt sind.