Willkommen

UNTERWEGS NOTIERT ...

 

"Versagen verzeihen, das können, glaube ich, nur Menschen. Die übrige Natur ist gnadenlos, bestenfalls vergisst sie." (Martenstein in der ZEIT)

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Ich gucke mir mit Vergnügen alle Folgen der Netflix-Comedy-Serie "The Kominsky Method" (mit dem in die Jahre gekommenen Michael Douglas) an - eine "Altherren-Geschichte" voller schlagfertiger, witziger Dialoge und großartig parierter Situationskomik, unterhaltsam & kurzweilig, komisch, aber auch hier und da tiefsinnig und berührend ... Ich schaue das us-amerikanische Original, mit deutschen Untertiteln. Als ich danach, nur kurz, die deutsch synchronisierte Fassung anteste, bin ich entsetzt. Es passt nicht - weder die Stimmen noch der sprachliche Transfer ins Deutsche können den Charme vermitteln.  Ich schalte es schnell wieder ab ... Hier und da muss man wohl manche Dinge einfach so belassen, wie sie sind, auch wenn's nicht jeden erreicht  ;-))

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Gerade hörte ich im Radio das Kompliment, Jemand sei "wahnsinnig intelligent" ... Jeder weiss, was gemeint ist, hat's vielleicht selber schon mal anerkennend über einen Anderen so  gesagt ... Aber genauer betrachtet, sollte man beide Attribute wohl sorgfältig auseinander halten und trennen. Sonst könnte es eine sehr ungute Vermischung  geben ...

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Derzeit verwirrend: Autofahrer, die allein und bei geschlossenem Fenster in ihrem Auto sitzen, und 'vorsichtshalber mal'  ihren Mundschutz aufhaben. Harmlose Bürger, die maskiert vor dem Bankschalter stehen, ohne böse Absichten.  Priester & Bischöfe, die in der Messe und bei der Eucharistie den Menschen die Oblate durch den kleinen Schlitz einer Plastik-Trennwand reichen. Webcams, die uns 'live' und rund um die Uhr den Broadway, Times Square, die 5th Avenue, den Battery Park zeigen, als wäre New York, der 'Big Apple' gerade 'Geisterstadt-Kulisse' und Drehort für einen Katastophenfilm, der bald in die Kinos kommt.

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"Vor ungefähr fünf Millionen Jahren haben die affenähnlichen Vorfahren des Menschen begonnen, sich aufzurichten. Warum sie das getan haben, ist nicht ganz klar. Dieser Wechsel muss relativ schnell passiert sein, weil es zwischen dem vierbeinigen und dem zweibeinigen Gang kaum Zwischenstufen gibt ... Diese Entwicklung hat allerdings ihren Preis: die Unsicheheit. Der menschliche Gang gilt als einer der unsichersten Fortbewegungsarten, die ein Lebewesen kennt. Unser Gehen, stellt der Philosoph und Spaziergänger Schopenhauer fest, ist ein stets gehemmtes Fallen. Nach dem Anthropologen John Napier torkeln Zweibeiner sogar 'Schritt für Schritt an einer Katastrophe entlang'". (Lorenz Marti. Der Innere Kompass) ... Na, dann Willkommen beim permanenten Versuch, 'Schritt für Schritt' durchs Leben zu gehen, den 'aufrechten Gang' zu üben, Rückgrat zu bewahren, Weitblick und Überblick zu behalten, unsere "Hand-lungsspielräume" zu nutzen ...

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Kleine Gesten: Ich besuche meinen, zur Zeit doch recht einsamen (89jährigen) alten Vater - mit allen Sicherheitsvorkehrungen von Abstand, Desinfektion und Nicht-Berühren ... Er erzählt mir von den Nachbarn im Haus, die für ihn nicht nur einkaufen, Rezepte abholen, Zeitungen vor die Tür legen, den Müll rausbringen, ihm frische Reibekuchen bringen - sondern auch von dem jungen Mann, der draußen auf der Wiese, die kein Privatgrundstück ist, regelmäßig  zwei neugepflanzte Bäume begossen hat, in diesen vergangenen Tagen ohne Regen ... Was er erzählt, schärft meinen Blick auch noch für andere, eigene Erfahrungen & Beobachtungen, bei denen Menschen in diesen Wochen achtsamer, liebevoller und aufmerksamer unterwegs sind. - Durch die Gegenbeispiele, die es ja auch gibt, will ich mich nicht runterziehen lassen, sondern mich nähren und anstecken lassen von den guten Beispielen  ... Alles andere ist ungesund.

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Die Strafen für zu schnelles Fahren & Geschwindigkeitsüberschreitungen im Straßenverkehr wurden erhöht ... Heute morgen in der Früh  träumte ich, ich säße im Auto und das Fahrzeug würde immer schneller und schneller ...  Genau in diesem Augenblick machte mein Handy neben dem Bett plötzlich mit einer WhatsApp-Nachricht zweimal *PLING* und ich wurde davon wach ... Es ähnelt - zum Verwechseln ähnlich! - dem Klang in der Amatur  unseres Autos, das uns (als 'Scanner' der vorbeiziehenden Straßenschilder)  mit einem *PLING* sofort warnt & signalisiert, wenn die vorgeschriebene Geschwindigkeit gerade überschritten wird! ... Ich habe es nicht geträumt, was sich da klanglich auf dem Nachttisch neben mir gemeldet hat - aber meine geträumte Geschwindigkeitsüberschreitung war sofort zu Ende, vielleicht hat's mich bewahrt vor dem Weiterträumen - dem Ranwinken mit einer Kelle und der Ansage: "Fahrzeug- und Führerschein bitte!!!"  ;-))

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Xavier Naidoo?? - Wie könnte man seine kruden Ansichten & Verwirrungen treffender wiedergeben als so:" „Xavier Naidoo will jetzt den Staat, den es laut ihm nicht gibt, vor Gericht, das laut ihm keine Macht hat, verklagen, weil die wegen eines Virus, das laut ihm keine Bedrohung ist, das Grundgesetz, das laut ihm nie in Kraft trat, gefährden“ (I. Stadelmann) ..?? ..!! ... ;-)))))

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"Don't remind the world that it is sick and troubled. Remind it that it is beautiful and free." (Mooji)

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Es ist gut und notwendig, dass wir ALLE uns derzeit - und wohl auch noch auf längere Frist -  an die Abstands- und Schutzmaßnahmen halten! Ja, ich hoffe sehr, dass wir es tun und dass die Politiker nun  mit weisen Entscheidungen, gute  Handlungsspielräume und Weichenstellungen auf den Weg bringen! .. Aber kurios ist es schon, was da gerade passiert, oder??? ... Als ich heute früh zum Getränke-Markt fuhr, mir zuvor  im Auto die Gesichtsmaske und die Handschuhe antat & mich umschaute - da hatte ich plötzlich das Empfinden, gleich eher  einen  OP-Raum zu betreten - mit einem *Skalpell und Tupfer, bitte!* im Ohr ;-)  ... Und als mir danach noch eine verschleierte Muslima über den Weg lief, dachte ich demütig: Sie grinst jetzt vielleicht - ohne dass ich es sehen kann - unter ihrem Verdeck über uns Ungläubige, die zuvor noch so *eine Welle*  gemacht haben in der Frage des Verbots oder der Erlaubnis zur  'Gesichtsbedeckung' ... :--))

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Samstagmittag. Ich schaue in den Garten und sehe Tochter und Enkelin (1 1/2 Jahre alt) , auf der Wiese hockend und Gänseblümchen pflücken - ein Strauß für die Oma ... Es ist sonnig, aber es wird wohl noch ein bisschen Regen geben heute ... Dabei kommt mir, in diesen "Corona-Tagen", plötzlich ein anderes Ereignis  in den Sinn: Tschernobyl ... am 26. April 1986 ... Der GAU ist passiert, das Atomkraftwerk brennt, wochenlang ist die Welt, sind auch wir, im Alarmzustand, in Angst & Schrecken - vor der auch damals unsichtbaren Bedrohung. "Risikogruppe" sind wir alle ohne Ausnahme, die Wetterberichte gewinnen an Bedeutung: Wie steht der Wind, wie wandern die Wolken, was ist mit dem Regen??? - Die radioaktiven Wolken legen sich auf Alles, Inhäusigkeit wird angeordnet, Kinder sollen nicht mehr einfach draußen spielen, die Produkte auf den Feldern und in den Beeten gelten als verseucht, auf den Spielplätzen wird der Sand ausgetauscht ... Unsere Tochter (Jg, 83) kennt es nur noch vom Hörensagen, die Enkelin weiß nichts davon ...

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Im Autoradio hörte ich gestern die Erinnerung daran, dass die Beatles sich - auf den Tag vor 50 Jahren - 'aufgelöst' & getrennt haben ... Das war 1970 und ich war 11 Jahren alt. Bis heute erinnere ich mich noch genau daran, wie ich zu Mittag mit meiner Mutter in der Küche stand, zum Spülen & Abtrocknen nach dem Mittagessen, und auf dem Regal stand ein Kofferradio und spielte "Radio Luxemburg" ... Die Nachricht, dass es die Beatles nicht mehr gibt, löste bei mir keine Depressionen aus ... Dazu war ich ja noch zu jung und biografisch zuwenig von ihnen berührt. Aber dass diese Nachricht so etwas wie eine berührende, emotionale "Bombe"für Unzählige weltweit  war, das bekam ich wohl mit ...

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"Das Buch der Bücher ist die kritische Re-Lecture des Buches der Welt ... Der Flaneur (... der durch die Straßen, Gassen und Plätze geht, seinen Blick auf alles wirft, beobachtet, wahrnimmt, rezipiert und imaginiert ... )  erinnert den Theologen und die Theologin daran, dass sie zwei Bücher zu lesen haben - das Buch der Bücher und das Buch der Welt. " (Albrecht Grözinger. Es bröckelt an den Rändern. Kirche und Theologie in einer multikulturellen Gesellschaft) --- In dieser Perspektive wird mir auch deutlich, warum ich so ein großer BOB DYLAN-Fan bin: Weil dieser "Song- & Danceman", wie kein Anderer, seit den 60ern durch die Jahrzehnte  und durch die Welt "flaniert", und uns bis heute mitnimmt auf seinem Weg durch all die Straßen & Gassen, auf die Marktplätze und Lebensorte - um dann weiterzuziehen, zu verarbeiten und wiederzuspiegeln, was ihm da alles begegnet ... Im Mai wird er 79, und "Murder Most Foul" ist sein aktuelles Lebenszeichen in diesen Trump- und Corona-Zeiten, anno 2020.

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Die derzeitige Situation rund um die Pandemie und der damit verbundene Stressfaktor zeigt sich auch darin, dass Nerven hier und da blank liegen und ein "Runterkommen" Jedem wohl zwischendurch gut tut ... Gestern hörte ich, dass das sorgfältige Händewaschen doch verbunden sein kann mit einem bewusst für sich  gesprochenen "Vater Unser", das wäre zugleich der Zeitmesser für die angemessene Gründlichkeit! ...  Ich habe kurz gestutzt - und dann gedacht: Gute Idee! Beten praktisch und mitten im Leben, im Alltag, ver-ortet! Zugleich eine essentielle Achtsamkeitsübung und neben Wasser & Seife eine gezielte  "Psycho- und Seelen-Hygiene"! ...

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"Jetzt, im wachen Zustand, begreife ich, welches Glück die Normalität ist. Ich sehe durchs Fenster des Krankenzimmers auf der gegenüberliegenden Straßenseite die Menschen scheinbar voraussetzungslos gehen ... Die 'normalen Verhältnisse' bieten ein Potenzial an Lust, das wir erst zu schätzen wissen, wenn wir es verloren haben." - Norbert Blüm, nach seiner Körperlähmung, im Interview.

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Freitagnachmittag ... Ich besuche "Juttas Buchladen" - gleich um die Ecke, drei Minuten von mir entfernt, mit kurzem Gang über die Wupper und unter der Schwebebahn hindurch, in die Hünefeldstraße - eine tolle, mittlerweile alte Dame, die weiterhin ihr Geschäft führt - einen Buch- und Begegnungsladen 'alternativer Art' ... mit feministischer, ökologischer, links-alternativer und kuturell-anspruchsvoller Auswahl an Büchern, CDs, DVDS ... auch tollen Kinderbüchern, einem Antiquariat im hinteren Teil des Ladens ... Ich habe ein Buch bei ihr bestellt, das ich abhole ... wir quatschen ein bisschen über das Leben ...  sie weist mich auf ein Kinderbuch hin ("Etwas ganz Großes" von Sylvie Neemann & Ingrid Godon),  ich blättere darin und lese es - zu ihrem Vergnügen - plötzlich laut vor  .... Als ich die Ladentür hinter mir schließe, das Kinderbuch habe ich auch gekauft, bin ich ein bisschen alltags-bereichert & positiv auf meinem weiteren Weg durch den Tag ... Danke dafür, in all den Verschattungen dieser Tage ...

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"Die einzig normalen Menschen sind die, die man nicht besonders gut kennt." (Alfred Adler, Psychonanalytiker, im Dreigestirn mit Freud & Jung)

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Ein theologisches Reizwort  ist für mich der Begriff  "Schöpfungsordnung" - denn christlicher Konservatismus rechtfertigt jede Unbeweglichkeit & Kompromißlosigkeit-  gerne im Diskurs über Homosexualität  & Politik! ;-) - damit, dass der liebe Gott bestimmte Dinge unveränderlich bestimmt und festgesetzt hat - und dass wir daran gebunden sind und bleiben. ---- Mein Zweifel gegenüber dieser Denkweise beginnt schon jeden Morgen, wenn unsere Katze mich vor dem Aufstehen nervt und fordert in Sachen "Gib mir Futter, jetzt, hier, sofort!" ---- "Hunde haben Herrchen, Katzen haben Bedienstete!" ... Wo jetzt finde ich hier eine "Schöpfungsordnung" ?? ;-)

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Zum Karnevals-Wochenende hatte ich eine kirchliche Trauung ... Ich beginne meine Ansprache:  "Liebe L, lieber M, liebe Familie & Hochzeitsgäste!
Es gibt zwei Termine im Jahresverlauf , wo eine anberaumte Hochzeit – das heißt: Zwei Menschen geben sich das Ja-Wort und das Treueversprechen! – zumindest missverstanden werden kann.  Das eine ist der 1. April.
Der andere Termin das Karnevalswochenende.
Denn es soll in diesen Tagen und Stunden nicht wenige unzurechnungsfähige Menschen geben, die am Morgen danach aufwachen, und nicht mehr recht wissen, was sie da zuvor getan und getrieben haben, wer da neben ihnen liegt - und wo sie sich – bei klarem Kopf – wiederfinden.
Und auch das Sprichwort „Am Aschermittwoch ist alles vobei!“, dann beginnt die Bußzeit und das Bereuen, ist kein gutes Motto für‘s Heiraten ..."

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Keith Richards, der Unverwüstliche ;-) ... Ich sehe eine Karrikatur dieses "Rock'n Roll- Überlebenden" und lese: "We need to start worrying about what kind of world we are going to leave for Keith Richards!" ;-))))

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1985 saß ich ihm gegenüber, im Landeskirchenamt in Düsseldorf, bei der Prüfung zum 1. Examen im Fach "Altes Testament" ... Das vorgegebene Thema war "Hiob", und ich ging in die Prüfung, ohne es vorher - im monatelangen, angehäuften  Lernpensum - geschafft zu haben, mein Hebräisch (gelernt in den ersten Semestern) so aufzufrischen, dass ich eine Passage aus dem Buch hätte übersetzen können - Risiko! ;-) .... Mit der zu erwartenden Aufforderung, einen Textabschnitt zu übersetzen, fing die Prüfung nun aber - ganz selbsterständlich und vorausgesetzt - an. Ich musste also passen und war sogar unfähig, die Textstelle überhaupt zu identifizieren ... im 2-Tage-Examens-Marathon von ingesamt fünf Prüfungen in fünf verschiedenen Fächern, sah ich mich schon nach 2 Minuten verzweifelnd untergehen ... Der Prüfer und seine Beisetzer wechselten Blicke. Es wurde etwas notiert. Ende der Fahnenstange??? ... Statt das Ganze nun schon im Ansatz für beendet zu erklären, bekam ich nun doch noch ein paar Fragen gestellt, die ich einigermaßen beantworten konnte, Aber als ich nach 20 Minuten rausging, war alles uneindeutig und mir schwante nichts Gutes ... Am Ende war es noch ein "ausreichend", aber andere Prüfer hätten dies defintiv nicht durchgehen lassen. - 35 Jahre später darf ich Pfarrer in der Gemeinde sein, zu der die "KiHo", an der er lehrte, gehört .... Heute bekam ich den Anruf, dass mein gnädiger Prüfer von damals, verstorben ist, mit knapp 92, und ich werde ihn beerdigen und die Trauerfeier machen --- H.J.B., Professor für Altes Testament. Es bewegt mich sehr.

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Ich lese: ""To say 'no' to President Trump would be saying 'no' to God." Ein Nein zu Trump wäre ein Nein zu Gott: Diese Aussage stammt von Paula White, Fernseh-Predigerin, spirituelle Beraterin von US-Präsident Donald Trump – und seit November auch Mitarbeiterin in seinem Team für Öffentlichkeitsarbeit." ... Ich glaub ja nicht an den 'Teufel' ;-), aber manchmal höre ich ihn hinter den Kulissen voller Hohn und Spott  lachen ...

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"Alexa" - das neue, nützliche Spielzeug in unseren Häuslichkeiten. Auf Zuruf gibt das kleine Ding (fast) alle Infos, die du haben möchtest, spielt dir die gewünschte Musik, ersetzt Radion und Weckdienst ... Es reicht eine Aufforderung, eine klare Ansage, ein Befehl. ---  Vielleicht liegt das Geheimnis des derzeitigen Verkaufserfolges ja auch darin, dass "Alexa" sofort pariert, stets bereit ist, deine Wünsche umgehend und ohne Umschweife zu erfüllen, dass 'sie' keine Widerworte gibt, nicht anfängt, mit  dir zu diskutieren ... Und schon höre ich den Ruf nach Gerechtigkeit und nach einer männlichen Ausgabe, bei der man nun das "-a" am Ende  weglässt  ...  ;-))

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Neben der Figur des asketischen oder welt-entrückten, meditativen Buddha, gibt es auch Figuren, die den dickbäuchigen, lachenden Buddha ("Budai"") der chinesischen Tradition darstellen ... Ich lese, am Neujahrstag, und bevor es wieder hineingeht in die "Gefechte des Alltags": " Das Lachen des Mönchs entspringt jener Ungezwungenheit, die das Ich aus seiner Starre befreit und über sich hinaus, ja sich selbst weg lacht. Sich selbst weg lachen? Ich wär‘ schon froh, schaffte ich es, mich selbst nicht ganz so ernst zu nehmen – frei nach einem Kaffeetassen-Spruch: „Lächle! Du kannst sie nicht alle töten.“  ;-))))

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Advent und Weihnachten liegen hinter uns, der Jahreswechsel nun auch - und allmählich werden in den kommenden Tagen die vor sich in rieselnden Weihnachtsbäume entsorgt. Und die Krippen? Maria, Josef, die Hirten, die drei Weisen und mittig, der Heiland der Welt??? Wie lange bleibt die Krippe stehen, wann kommt sie "weg", wird eingepackt und erst in 11 Monaten wieder aufgestellt??? -  Unsere 'Ostheimer'-Krippe, mit ihren eher modernen Naturholz-Figuren, ohne Kitsch, nicht-barock, steht im Esszimmer, neben der Terrassen-Tür, auf dem Schrank in Augenhöhe. Sie könnte da stehen bleiben und wäre optisch/ästhetisch kein Fremdobjekt ----- Heute kam mir der Gedanke: Man müsste sie mal stehen lassen!!!  365 Tage lang, durch Frühling, Sommer, Herbst & Winter, auch im Hochsommer!  Denn das "Euch ist heute der Heiland geboren!" ist Frohe Botschaft an jedem neuen Tag, an dem die Welt sich dreht. Das Kind "verschwindet" nicht, ist nicht "verschwunden", bleibt präsent, bleibt durch das ganze Kalenderjahr der Präsente, Gegenwärtige .... Und wenn wir, Tag für Tag, unseren Blick auf's Kind werfen, wäre es ein Impuls, ganz im Sinne von Angelus Silesius: "Und wäre Christus tausendmal in Betlehem geboren, doch nicht in Dir, so wäre es umsonst geschehn!"

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Mein Lieblingsvers (nicht nur, aber auch und besonders) zu jedem Jahresende und Jahreswechsel:

"Der DU allein der Ewge heißt

und Anfang, Ziel und Mitte weißt

im Fluge uns'rer Zeiten

Bleib DU uns gnädig zugewandt

und führe uns an Deiner Hand

damit wir sicher schreiten"

H.D.Hüsch schreibt in seiner Autobiografie ("Du kommst auch drin vor", 1990) offen über die Zeiten, in denen er - als Kabarettist oft wochenlang von Stadt zu Stadt unterwegs - seine Nächte in Etablissements, Kneipen & 'Freudenhäusern' zugebracht hat, bis zum Morgengrauen ... und dann, vor der Weiterreise, von diesem oder jenem  "Wartesaal" der Bahnhöfe --- "Dort kann man dann reflektieren, sich in Frage stellen, das Leben wieder fortsetzen, die Welt nimmt einen wieder auf ... und man kehrt heim zu Tisch und Brot, der Rausch verfliegt, die Demut siegt, die Masken sind gefallen, bei allen, doch größer wär' der Menschen Not, wär nicht ein Gott, der milde mit uns allen."

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Wenn Menschen mir sagen, dass sie "nicht an Gott glauben", gebe ich ihnen häufig nach kurzer Zeit Recht und bin ihrer Meinung. Sie reagieren dann irritiert und verwundert ... Aber genau wie sie, glaube ich nicht an einen "Gott", wie sie ihn im Sinn oder vor Augen haben. Dieser Gott ist eine Karikatur, die wir dann - im besten Fall - beiseite schieben und korrigieren können - um Gottes willen!

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In Meir Shalev's Familienroman 'Fontanelle' lese ich mit einem Schmunzeln folgende schöne Stelle: "Rachel sagt, in der Mehrheit seien sie 'Zucchini" - das heißt, sie passen sowohl zum Braten als auch zum Kompott!" ... ;-)) ...

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"Ich habe in diesem Jahr drei Abschiede erlebt ...", sagt mein Gegenüber, und bevor ich mein Bedauern oder gar mein Beileid aussprechen kann, höre ich: " ... und das hat mir so gut getan!" - Ich schaue in ein zufriedenes Gesicht und höre, was gemeint war: Das Sich-Lösen aus Beziehungen, die nicht gut tun, runterziehen, unerquicklich geworden sind. Diese Abschiede müssen nicht im Zorn geschehen, nicht in Verbitterung oder im Nachtreten - sie können einfach geschehen, in dem man sich und den Anderen/ die Anderen auf eigene Wege entlässt ... "Gestern habe ich sogar noch für eine der Personen eine Kerze angezündet und ihr aus der Ferne Gutes gewünscht!" ...

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Im Bahnhofs-Kiosk schaue ich nach der neuesten Ausgabe des ROLLING STONE und finde sie nicht. Der RS hält bis heute den Lesern die Treue, die immer noch (wie ich) Dylan, Springsteen, Young, U2, die Stones etc. hören .... Ich spreche die junge Verkäuferin an - ca. 20 Jahre alt - und muss zweimal den Namen der Musikzeitschrift aussprechen, den sie nicht einordnen kann. Daraufhin fragt sie eine andere, ältere Kollegin, kriegt dabei aber das Wort "Rolling Stone" nicht über die Lippen ;-)  ... Beim Rausgehen - die Ältere konnte mir helfen -, fällt mit lächelnd und im Selbstgespräch ein, was ich der Jüngeren hätte erklären können: "Pass aus ... Ro-ll-ing St-o-ne ... Mit 'nem 's' dran ist es eine Musikgruppe, die Deine Großeltern bestimmt gerne gehört haben. Ohne 's' und mit einer Textzeile ist es ein Song, den Deine Großeltern sicher ebenfalls kennen ... Was ich gerade meinte, ist ein Produkt, das in Alten- und Pflegeheimen mittlerweile sicher eine hohe Abonnenten-Bestellung hat!" ;-)))

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Bücher ausleihen -  Nur ein paar Minuten von meiner Haustür entfernt, oben auf dem "Heiligen Berg", nach einem kleinen Aufstieg durch den Wald schnell erreicht - das Theologische Zentrum, die KiHo und die Landesbibliothek der EKiR ... Wann immer ich dort bin, mir mal wieder Bücher ausleihe oder zurückbringe, über den kleinen Campus gehe, überkommt mich Staunen und Dankbarkeit. So wie an diesem frühen Abend  im November 2019, wo die erleuchtete Bibliothek mir im Dunkel entgenstrahlt  ... Denn Anfang der 80er war ich hier eingeschrieben als Student, kam für ein paar Semester Woche für Woche zu Vorlesungen & Seminare aus Bochum, wo ich an der Uni eingeschrieben war und im Studentenwohnheim wohnte, das Examen und die komplette, weitere, unsichere  Zukunft noch vor mir ... Nun bin ich seit fast 30 Jahren Pfarrer in Unterbarmen, KiHo & Theol. Zentrum gehören zu meinem Gemeindebezirk und die Verbindung zur Hauptkirche, die persönlichen Kontakte & das Miteinander in Gottesdienst und Gemeindeleben sind ein Geschenk, das ich mir in meiner Phantasie rückblickend gerne mal als "Blick in die Glaskugel" geben würde ... "Hallo? Examensängste? Unklar, wo der Weg Dich hinführt? - Hier, schau mal rein ..."  :-))

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"Apokalypse now? - Unsere Frage nach dem Morgen" ... Titel eines Films von Francis Coppola Ende der 70er Jahre ...  Gestern (am Buß- und Bettag) war es Aufhänger & Thema unseres ökumenischen Gottesdienstes. In meinem Teil einer Dialogpredigt mit T.W. (Pastor einer freikirchlichen Nachbargemeinde) lasse ich mich, angesichts der Weltentwicklung, zunächst ein auf ein Bekenntnis zu Ratlosigkeit & Angst, was die Zukunft unserer Kinder & Enkel angeht. Vorschnelle, fromme Beruhigungen  oder bibelzitierender Fatalismus (Stw. "Endzeit!") sind mir ein Gräuel. Ich fühle (als angefochtener Christenmensch) Nähe zum "Dennoch & Trotzdem" des Dr. Rieux ("Die Pest" von Albert Camus), zitiere Bob Dylan ("I'm hanging in the Balance of the Reality of Man") - und suche nach Pack-Enden für mein "Glauben, Hoffen & Lieben" ... Ich finde sie - angesichts der derzeitigen 'zu Ende gehenden' Welt-Realitäten in Jesu Rede von den "Geburtsschmerzen" (!) einer Neuen Welt. Und in den Worten von Jörg Zink: "Viele meinen, wer heute noch eine Hoffnung habe, müsse ein Tor sein oder ein Träumer oder aber ein Verzweifelter ... Ich meine aber, es gebe Gründe zu hoffen. Ich meine, die Zukunft der Welt sei nicht festgeschrieben. Ich meine, unsere Zukunft habe ein anderer in der Hand als der Mensch in seiner Ahnungslosigkeit und seiner gefährlichen Selbstsicherheit. Ich meine, es sei in der Welt noch eine andere Weisheit am Werk als die des Menschen." ... 

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"Gewalt ist der untrennbare Zwilling des Materialismus!" (Martin Luther King)

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Wenn Du Dich bei Jemandem bedankst, nur für eine kleine Handreichung, eine kleine Gefälligkeit, hörst Du immer öfter als Antwort: "Kein Problem!" ;-))) ... Ich denke dann: Das will ich doch jetzt mal glauben und hoffen, dass das für Dich "kein Problem" war ...  und schlage - ganz altmodisch - ein "Bitte schön! Gerne!" als Antwort-Variante vor! ;-)

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Wie schnell sagen Menschen, die etwas nicht an sich heranlassen wollen: "Das ist nicht meins!" - Eine mögliche, weiterführende, einladende   Antwort könnte sein: "Prima ... aber am Fremden wachsen wir !!!" ;-)

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Kennt ihr dieses Gefühl? - Kommt ein Mann aus dem Büro und sagt zu seiner Frau: "Puh, war das wieder ne Woche." - Sagt die Frau: "Ich muss dich leider enttäuschen, es ist erst Montag."

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