Unterwegs notiert:

Goldkonfirmation: Gestern gehörte ich dann auch zu denen, die den Zeitsprung von 1972 bis 2022 mitgemacht haben, mit einem bewegenden Gottesdienst, Urkunde, Segen und vielen Erinnerungen ... Am Nachmittag saßen wir, eine kunterbunte Runde, plaudernd an Tischen und "beamten" uns vielfältig zurück in die frühen 70er ... Dabei kam mir nochmal das Tonbandgerät der Marke TELEFUNKEN in den Sinn, das ich von meinen Eltern geschenkt bekam. Aus finanziellen Gründen war es kein UHER-Gerät, die damalige Königsklasse, aufstellbar, mit großen Spulen und coolem Design ... Bis heute erinnere ich mich daran, wie ich damals genötigt war, zu 50 % meine Dankbarkeit zu zeigen und zu 50% eine Enttäuschung zu verbergen ... Santana, Black Sabbath, Deep Purple  & Co dröhnten dann, durch einen bescheiden klingenden und eingebauten Lautsprecher, in mein damaliges Kinder- & Jugendzimmer ... Der DUAL-Plattenspieler, die großen Boxen und das Lenco-Clean für die Vinyl-Scheiben folgten zwei, drei Jahre später :-)

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"Es soll Leute geben, die sich freuen, wenn man ihnen Bücher schenkt. Ich gehöre nicht dazu. Ich fühle mich dann immer in der Pflicht, etwas gut zu finden, das ich vielleicht nur so mittel finde oder sogar richtig blöd. Trotzdem verschenke auch ich Bücher, um andere zu verpflichten, etwas gut zu finden ... Das klappt, logisch, eher selten, was in der Regel nicht weiter schlimm ist, ich hab's wenigstens versucht!" (Stefanie Flamm, aus einem ZEIT-Artikel)

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Ein früher Held (aus den frühen 70ern) kommt mir nocheimal nah: Immer Mittwochs, um "Sieben nach Sieben", kam im ZDF das "Gard-Haarstudio" als Werbesendung, und danach PERCY STUART alias Claus Wilcke ... Nun ist er 83 - und ich erfahre, dass er seit ein paar Jahren keine 100 Meter von mir, "um die Ecke" sozusagen, wohnt ... Da schaue ich mir prompt noch mal'ne Folge an - und erkenne die Titelmelodie sofort wieder ;-)

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"Manchmal ist eine Lüge schon dreimal um die Welt gelaufen, bevor die Wahrheit sich die Schuhe angezogen hat." (Zitat aus einem Dortmunder TATORT)

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Donald Trump fordert auf einer Versammlung der Republikaner in Texas "die Abschaffung des Bildungsministeriums" ...  Seine Anhänger jubeln ihm zu und klatschen bei dieser Forderung  ... Das Kraut, das gegen Dummheit helfen soll, wird an den Ständen nirgendwo angeboten. Stattdessen Strasshandtaschen in Pistolenform, Klopapier mit einer hitlerbärtigen Pelosi und funkelnde High Heels mit Trump-Aufschrift .

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Flüchtiges Lesen und das Überfliegen von Schlagzeilen kann durchaus humorig sein. Soeben stutzte ich kurz, weil mich eine Überschrift irritierte: "BDI-Präsident spricht sich gegen Übergewichtsteuer aus." ... Ach nein, da steht: "Übergewinnsteuer" ;-) ... Ich fühle mich erleichtert.

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"In meiner Sehnsucht nach Dauerhaftem musste ich vermutlich daran erinnert werden, wie flüchtig Dauerhaftes ist." (Patti Smith. M Train. Erinnerungen)

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Deutschland : Frankreich: 2:1 ... Das Endspiel ist erreicht :-)) ... In einem Kommentar finde ich eine hübsche Beschreibung des gelungenen Spiels: "Es war die richtige Mischung von Rasenschach und Rasenflipper!" 

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Fußball-Länderspiel, das Aufrechterhalten der Motivation auch nach verpassten Chancen ist immer wieder wichtig ... "Einmal kurz ärgern - und sofort wieder ins Positive gehen!" kommentiert die Reporterin. Ein gutes Motto, nicht nur auf dem grünen Rasen.

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Namensfindungen sind immer wieder spannend ... *Juana*, ein schöner (spanischer) Mädchenname. *Marie* ist auch schön. Am Besten vielleicht als Doppelname, in der richtigen Reihenfolge ... ;-))

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Am heißesten Tag des Jahres (nachträglich zum Geburtstag) warme, selbstgestrickte Socken für den kommenden Winter mit seinen heizungstechnischen Engpässen zu bekommen ... Das zeugt von Liebe, Weitsicht und --- Humor! ;-)))

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Ich scheue das Wort "Apokalypse" und alle verqueren und verquarkten  Endzeit- und Unheilsprophetien ... aber die Weltentwicklung 2022 und die täglichen Nachrichten bekommen mittlerweile eine Dimension, die an Grund-legendes rührt ... Nach biblischem Verständnis sind end-zeitliche Ansagen aber eigentlich "Geburtswehen" und NEUES bricht sich Bahn ...

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"Wir haben das Schweben verlernt/Weh uns, wir kleben am Weg/Vom Leuchten der Sterne entfernt/die Flügel gesenkt und träg/So trotten die Füße ergeben/Ach, Liebster, bevor es zu spät/Versuchen wir's, uns zu erheben" (Mascha Kaleko)

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Montagmorgen. So wie der sonntagabendliche TATORT in der Regel ein 'Muss' für mich ist, so auch das kurze Reinschauen in die Zuschauerbewertungen auf SPIEGEL- und ZEIT-Online am Morgen danach ... Eine Schwall an Entäuschung, Ärger, Empörung, schlechter Laune und Nörgelei ergießt sich wieder mal in die Tasten -  Woche für Woche für Woche --- "Tatort-Bashing" in der Endlos-Schleife, Da bekommt man ja fast ein schlechtes Gewissen, wenn man den gestrigen Krimi eigentlich ganz prima fand! ;-))))  

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Inmitten einer übervollen und arbeitsreichen Woche lese ich am Morgen, sehnsuchtsvoll und noch urlaubsfern, den Kalenderspruch des Tages: "Es ist sooo schön, mal nichts zu tun, und dann vom Nichtstun auszuruhn ..." ;-)))

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Bob Dylan feiert am 24. Mai seinen 81. Geburtstag ... 1962, also vor 60 (!)  Jahren, erschien sein Debutalbum *Bob Dylan*, mit dem Cover-Bild seines noch sehr jungenhaften Aussehens. Der letzte Song der Platte heißt: "See that my grave is kept clean" ;-) ... Immer noch steht der alte Mann auf der Bühne. Wenn eines Tages die Nachricht von seinem Tod um die Welt geht, werde ich traurig sein.

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Im WDR-Programm eine Sendung über den Essener "Gruga-Park" ... Was ich sehe, berührt mich: Mein Elternhaus damals lag fußläufig ganz in der Nähe, ganze Sommer habe ich als Junge dort verbracht, noch heute kann ich mich in Gedanken nocheinmal dorthin zurückbeamen und sehe mich, in den 60ern und mit Freunden, dort auf den Spielplätzen, Wiesen, dem Aquarium und Terrarium, dem Gondelbecken,  dem Tramplingelände und in den frühen 70ern dann häufig  im Grugabad ... Später dann manche Konzerte (Wishbone Ash, Jethro Tull, Santana ....), das "Christival 76" und der "Rock-Palast" in und rund um die Grugahalle. --- Die "Gruga" war immer so selbstverständlich nah und Teil des Lebens, dass mir erst bei der Doku nocheinmal bewusst wird, wie großartig und besonders dieser Park, mitten in Essen, bis heute ist.

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Das Blättern in einem alten Foto-Familien-Album ... Ich entdecke, dass mein Urgroßvater mütterlicherseits 1869 in Paris zur Welt kam. Und betrachte mich als Baby in den Armen einer jungen Frau, an der Hand eines jungen Mannes  - meine Eltern. August, Luise, Maria und Peter halten mich ebenso im Arm - meine Großeltern ... Was ist unser Dasein, unser Leben, unser einmal Noch-nicht-Gewesensein und unser Einmal-nicht-mehr-Sein???

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"Wer Gott im Lachen einst verlor, der findet ihn im Weinen." (Mascha Kaléko) -----  Was für ein tief-sinniger Satz, alle Oberflächlichkeiten durchdringend, den man drehen und wenden muss!  --- Welcher "Gott" (welche Gottes-Vorstellung, welches Gottesbild) ist gemeint?  Und was bedeutet das "Verlieren" und was das "Finden"?

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Zwei Textzeilen in Songs, die mich beim Hören anrühren - und die  mir näher sind als allzu ungebrochene, anfechtungsfreie Glaubensbekenntnisse: "They say Jesus brings you peace and grace/ Well he ain't found me yet ... " (Bonnie Raitt, Just like that) ... "It's a long road, it's a long and narrow way /If I can't work up to you, you'll surely have to work down to me someday" (Bob Dylan, Narrow Way)

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Heute in einer Gemeinde-Gruppe  der Rückblick auf die Ostertage und die Frage: Wie haben wir in diesem Jahr die Gottesdienste am Gründonnerstag, Karfreitag und zu Ostern erlebt? ... Im dritten Corona-Jahr waren wir zunächst froh, wieder 'leibhaftig' und präsent unsere Gottesdienste feiern zu können, immer noch mit Schutzmaßnahmen, aber endlich wieder im Miteinander, auch das Abendmahl und den frühen Ostergottesdienst in der Morgendämmerung ... Zugleich aber hat der Krieg sowohl dem Blick auf das Kreuz am Karfreitag, wie auch der Osterbotschaft von Hoffnung und Leben, eine andere Färbung gegeben: Wie leicht werden ja in unbeschwerteren Zeiten unsere Worte, unsere Lieder und Gebete, auch die Predigten zu etwas Gewohntem, Erwartbaren, ja sogar leicht zu etwas Phrasenhaftem ... Dieses Jahr aber bekam alles ein anderes Gewicht, eine Tiefe. Und mehr als in den Jahren zuvor, waren mir die zu findenden Predigtworte (in der Vorbereitung und im Vollzug) eine Mühe und ein 'Kraftakt' ...

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"In Buddhas Weisheit gibt es (für unser Tun) weder 'groß' noch 'klein' - und das ist nicht theoretisch gemeint. Jede unserer Handlungen ist so umfassend, dass wir ihre Konsequenzen niemals vollständig überblicken werden." (Eine Ecke dieser Welt erhellen, B.Bender)

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Harald Martensteins Lieblingsrezension bei Amazon: "'Das Buch war sehr schnell bei mir. Ich finde es gut. Leider kam ich noch nicht dazu, es ganz zu lesen' . Der Rezensent vergab vier von fünf Sternen." :-))))

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Am Samstagmorgen, Ende April, gehe ich die 15 Minuten von meiner Haustür, hinauf auf die Hardt, zum Theologischen Zentrum ... Jeder Schritt eine Steigung, Puls & Atemfrequenz  steigen, aber schon nach ein paar Minuten bin ich nach oben gezogen, mitten im Wald, auf den Höhen über dem Wupper-Tal ... Was für ein Grün um mich herum, um diese Jahreszeit, was für ein morgendlich-frischer Blick, was für eine morgendliche Ruhe noch, fernab vom Getriebe 'da unten', nur die Vögel geben ihr Konzert  ---- Vor mir, vor uns, liegt (als Presbyterium) eine anstrengende Beratung, mit schwierigen Entscheidungen, mit stundenlangem Abwägen und eine Last ---- Jetzt gerade aber, genieße ich jeden Schritt in der Morgenluft ..... Zum Abend, es dämmert bereits, gehe ich wieder nach unten, leichten Fußes. Der Tag und das Miteinander waren gut. Der Tagesanfang passte zum Ende ....

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Die Kunst der Selbstbeschränkung: Alles hat wohl *seinen Platz* in der bunten Welt, im Leben von Menschen und im Getriebe des Daseins  ... doch wenn ich versuchen würde, ALLEM Platz zu machen, ALLEM einen Platz einzuräumen in und bei mir - dann würde ich wohl ...*PLATZ--EN!* ;-) 

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"Mein Gott, dein Gott, unser ... / Soviel Anspruch auf Besitz. / Am Ende der Quasselrunde / nur leere Flaschen / und der Kirchtürme Fingerzeig" Günter Grass

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Sich streiten oder sich "zanken"? - Für mich hat das Wort "Zanken" immer etwas Unernstes, Überflüssiges, ja Kindisches - "Kommt Kinder, hört auf zu zanken!!" war eine Ermahnung, die nicht wirklich ernst- und wahrnahm, worum es bei einer kindlichen Zankerei ging. Es hatte etwas Dummes, Ungehöriges, Unnötiges an sich - etwas vom kindlichen Gezerre darüber, wem was gehört, und wer wen oder was "doof" findet ... .... Das Wort "Streiten" dagegen ist ernsthafter, es ist ein Ringen um Verständigung, Sachklärung, Positionierung und im besten Fall die Suche nach Transparenz und einer Lösung. "Zanken" kann albern sein, der Streit im guten Sinne eine Kunst, die man lernen muss ... denn es gibt keine "Kunst des Zankens", aber eine kommunikative, konstruktive "Kunst des Streitens" ...

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Ein westlicher Besucher kommt zu einem ZEN-Lehrer und will lernen und verstehen, was "ZEN" ist ... Der begegnet ihm höflich und bietet ihm eine Tasse Tee an. Beim Eingießen hält der Meister die Kanne weiter über die Tasse, auch als diese schon längst voll ist und überläuft ... Der Besucher will eingreifen, der Meister lächelt und gießt noch einen Moment weiter - dann sagt er: "Wie offen und empfänglich kannst Du für meine Unterweisung sein, wenn Du bereits über den Rand übervoll gefüllt bist - mit Deinem Denken, Deinem Einordnen, Deinem Bemessen & Urteilen ..." ;-)))

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Moderne Technik gehört mittlerweile zu unserem Alltag - aber sie hat auch Grenzen ... Etwa, wenn nach einer langen Party-Nacht die Face-ID-Erkennnung Deines Handys nicht funktioniert. Und wenn "Alexa", auf Deinen spontanen Hilferuf in ihrer Nähe, antwortet: "Tut mir leid, ich habe Sie nicht verstanden ...!" ... Oder wenn Dein PC Dir beim Einschalten & Hochfahren minutenlang ein "Willkommen" zeigt, aber über diese Absichterklärung hinaus nichts weiter passiert ...  ;-)

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Manchmal gehen Dinge 'verloren' und wollen sich partout nicht wiederfinden lassen: So ist mir in meinen Regalen wochenlang "Gott" abhanden gekommen und so sehr ich auch suchte, "Gott" war weg - es war verrutscht, das kleine Büchlein mit gleichnamigem Titel. Und aktuell suche ich eine CD von Joni Mitchell, aber in all meinen Sparten-sortierten Kisten kann ich sie nicht finden - die wunderbar vielseitige Musikerin, die sich in ihrer Karriere immer wieder allen Zugriffen entzogen und allen Zuordnungen verweigert hat .... Mal gucken, wo sie mir wieder-begegnet.

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In der ZEIT lese ich: "Einer Gallup-Umfrage zufolge leben in Finnland die glücklichsten Menschen, gefolgt von Dänemark, Island, der Schweiz, den Niederlanden, Luxemburg, Schweden und Norwegen. Offenbar sind Kälte und Regen dem Glück förderlich. Und die Deutschen? Stehen auf Platz 14. Was die Meinungsforscher nicht verstanden haben: Wir sind glücklich, wenn wir unglücklich sein dürfen."

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"Ich habe vor drei Jahren vor Ostern einmal ein Selbstexperiment namens „40 Tage Gott fasten“ gemacht. Dabei habe ich, anstatt auf Alkohol, Nutella oder Nikotin zu verzichten, mich stattdessen mit Religionskritikern jeglicher Couleur auseinandergesetzt, um herauszufinden, was ihre Kritik mir als Glaubendem zu sagen hat. Es war teilweise unangenehm, denn ein Ludwig Feuerbach oder ein Bertrand Russell etwa sind keine naiven Stänkerer, sondern brillante Köpfe, die den Finger schonungslos in die Wunden der Glaubensinstitutionen legen. Aber es war auch heilsam – weil ich gemerkt habe, dass ich manche Gewissheiten aufgeben kann, während mir andere Ideale und Überzeugungen umso klarer werden ..." Sebatian Pierling, SF-Autor, Christ, in einem Interview

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Seit zwei Wochen nun ist die Welt - unsere Welt - durch den Ukraine-Krieg auf so grausame, bedrohliche und erschütternde Weise verändert. Zu den vielen - täglich, stündlich zirkulierenden - Nachrichten, Worten, Reden, Artikeln, Schlagzeilen und Analysen, mag und will ich nichts hinzufügen. Sovieles ist offen, sovieles erschüttert ... Ich lese die Psalmen der hebräischen Bibel, auch die Klage- und Rachepsalmen, all die Schreie nach Recht und Gerechtigkeit, plötzlich mit anderen Augen ...

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Der genervte 'Tatort'-Kommissar pariert die Übergriffigkeiten seines Gegenübers mit dem schönen Satz: "Wir tun, was wir können - und wir KÖNNEN, was wir tun!" ... Merke ich mir für entsprechende Situationen! :-)))

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Nach den vielen Wochen eines fast ununterbrochenen, täglichen Grau-in-Grau, nun schon die zweite Woche mit blauem Himmel und viel Sonne, Tag für Tag. Dazu die zunehmende Helligkeit morgens beim Aufstehen. Und das Vogelgezwischer draußen als Begrüßung zum Wachwerden ... Man könnte meinen, die Welt sei in Ordnung ... Spätestens beim Kaffeemachen in der Küche, begleitet von den morgendlichen Nachrichten aus dem Radio, kommt der Riss angesichts des derzeitigen Weltgetriebes ... "I'm hanging in the Balance of the Realtiy of Men" (Bob Dylan).

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In Flur und Esszimmer unseres Hauses hängen zwei Karten-Regale, gefüllt mit Postkarten, die alle (in Bild & Text) lustige, originelle oder nachdenkenswerte "Sprüche" beinhalten. Täglich gehen wir dran vorbei und werfen, oft zum wiederholten Mal, schmunzelnd einen Blick drauf ... Heute las ich: "Wir hätten FRÜHER damit aufhören sollen, 'SPÄTER' zu sagen" ....

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"Ich kann's erst sehen, wenn ich es glaube!" ... Auch die scheinbar abstruse Umkehrung in diesem Versprecher eröffnet eine interessante Perspektive ;-)

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"Das Lachen ist mir so heilig wie das Beten!" las ich vor längerer Zeit ... Der Satz ist mir haftengeblieben: Manchmal - grundsätzlich und immer wieder - braucht es wohl dieses 'Heraustreten' aus der Schwere und dem Ernst des Lebens, in unserem so begrenzten, bedrohten, relativen Dasein ... Dann wird uns gerade das Lachen zum Gebet ... auch wenn es mal bittere Züge trägt und erfahrene  Absurdität und Tragik wiederspiegelt.

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Konfirmanden-Unterricht am Nachmittag ... Wir reden über "Gottesbilder" und ich merke, wie sehr es mir ein Anliegen ist, Karikaturen, Zerrbilder und infantile Gottes-Vorstellungen 'aufzufangen', die wir alle doch so tief in uns tragen --- "Gott-sei-Dank ist Gott nicht das, was die Meisten von uns sich unter *GOTT* vorstellen" (Karl Rahner)

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"Ich weiß nicht, wohin Gott mich führt, aber wenn er diese Richtung beibehält, schlage ich vor, dass er allein weitergeht."  (Bruno Bettelheim, Psychoanalytiker)

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Gestern mal wieder ein Besuch bei einem alten Freund und Weggefährten aus zurückliegenden Tagen. Seit der Jugend- und dann Studentenzeit verbindet uns Manches, bei allen Wegen, die jeder von uns dann weiter gegangen ist und weiter geht ...  Aber  wir haben bis heute einen gemeinsamen "Fundus", in Vielem die "gleiche Wellenlänge", den gleichen Sinn für Humor, konvergierende Interessen und Wahrnehmungen. Der Kontakt ist uns im Älterwerden geblieben, das Wiedersehen alle paar Monate eine beidseitige Freude --- Und der gute alte BD verbindet uns, nicht unbedingt "Forever Young", aber gemeinsam "Knockin' on Heavens Door" bis heute ... Thank You.

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»Ich benutze das Fernsehen als Gleichgültigkeitsmaschine. Ich schaue so lange auf den Bildschirm, bis der gefühlte Unterschied zwischen einem Papst-Segen, einer pornografischen Dauerwerbesendung und einem Bericht über die Fauna von Madagaskar gegen null geht. Dann ist der Zustand erreicht, in dem das Gehirn bereit ist, sich für ein paar Stunden von der Welt zurückzuziehen.«  Peter Sloterdijk, Philosoph, in einem Interview über sein Fernsehverhalten

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"Das Phänomen "Duldungsstarre" stammt aus der Veterinär-Gynäkologie ... Sieht man sich den beschriebenen Zustand genauer an, so findet man sein Muster beim Menschen in zahlreichen sozialen Situationen wieder, etwa bei öffentlichen Ritualen, bei Gremiensitzungen, die irgendwie überstanden werden müssen, bei langen, schlechten Vorträgen, bei Bundestagsdebatten und bei Vorwürfen des Ehepartners, die man zu oft gehört hat." Peter Sloterdijk. Zeilen und Tage. Notizen

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Es gibt eine "Magie der Tiefe" - dieser erschreckende Blick aus der Höhe nach unten, in dem einem bewusst wird, dass der Sprung oder der Schritt über die Klippe im Fallen unkorrigierbar das "AUS" wäre ... und das Zurückweichen davor ... Aktuell ist ein neuer Roman von Michel Houellebecq auf dem Markt mit dem Titel "Vernichten". Hunderte von Seiten, die ein einziger, rabenschwarzer "Blick in die Tiefe" sind - und uns ein sinnloses Dasein & eine sinnlose Welt & Zukunft in Romanform präsentieren ... Worin liegt  die Magie, die Anziehungskraft, die von diesem Autor und seinen Büchern ausgeht?  ... Auch hier finde ich diese "Magie der Tiefe" als Zeit- und Lebensgefühl - und frage mich, in Abgrenzung zu Houellebecq : Was würde wohl Albert Camus dazu sagen? ist es die Kapitulation seines "Sysiphos"?  Das Ende seines Dr. Rieux? ... Nein, dieser "Magie der Tiefe" will ich mich entziehen!

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"Wir dürfen niemals vergessen, dass es im menschlichen Wesen etwas gibt, was durch Güte angesprochen werden kann; dass der Mensch nicht völlig verderbt ist. Das Ebenbild Gottes geht nie völlig verloren." Martin Luther King

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Wieder ein Jahreswechsel ... Rund um den Sprung von 2021 auf 2022  das übliche Ritual: Die Übertragung von Terminen, Notizen und Planungen in den neuen, bis dato unbeschriebenen und ungenutzten  Kalender ... Seite um Seite blättere ich mich durch die Wochen und Monate, die nun vor uns liegen. Und wie immer überkommt mich  ein komisches Gefühl: Mein Stift, der da schreibt, mein Kopf, der vorausdenkt, mein Herz, das schlägt - wir fangen an, etwas ansatzweise in den Blick zu nehmen  --- und können doch nicht vorwegnehmen, was kommt, und womit sich die kommenden 365 Tage nun tatsächlich füllen werden ...

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Goodbye, Jesus? ...  Nicht nur der häusliche Tannebaum wird Anfang Januar abgeschmückt und entsorgt, auch die aufgebauten Krippenfiguren kommen wieder in den Karton, eingewickelt, bis zum nächsten Fest, und in den Schrank  .... Dabei denke ich: Man müsste die Krippe und das Setting  rund um die Geburt  dieses Kindes stehen lassen - das ganze Jahr über, 365 Tage, Frühling, Sommer, Herbst und Winter ---- Was würde uns DAS wohl - im weiteren Jahresverlauf -  sagen???!

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Im Lokalradio heute: Ein Tag mit "Musik der 80er Jahre" ... Nun ja, jede Generation geht durch die Jahrzehnte der eigenen Jugendzeit und hat ihre eigenen Bezüge und Erinnerungen, biografisch verknüpft. Für mich sind und bleiben es die "70er". Das Jahrzehnt danach mag ich - pop-musikalisch, bis auf einige Ausnahmen - summasummarum nicht: Die Musikindustrie machte zuviele kommerziell orientierte Vorgaben - der Sound wurde steril, Plastk-Keyboards, knallige Drums, MTV-Clips machten das Visuelle & das Styling z.T. wichtiger als die Qualität der Musik, manches 'Stimmchen' wurde gehyped - selbst meine 'Heroes' der 70er (Clapton, Dylan, Santana, Genesis, Allman Brothers  etc.) machten in den 80ern ihre schlechtesten Platten und eierten z.T. recht orientierungslos durch die veränderte, musikalische Landschaft .... Aber heute nun, schon zum Frühstück im Radio: Der "große Tag der 80er" - ich schalte aus und wünsche gute Untehaltung!

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Wo sind wir, Du und ich, die Gesellschaft, die Welt in unserer Entwicklung ...? --- Ich lese: "Das Entwicklungsstadium der 'toten Zone' ist von Stillstand und Widerstand gegen Veränderung geprägt. Wir beharren auf der bestehenden Situation. Die 'tote Zone' gleicht dem großen Elefantenfriedhof des Bewusstseins. Sie ist der Ort, den wir aufsuchen, um zu sterben. Wenn wir - sei es als Einzelperson oder als Gesellschaft - diese Entwicklungsstufe erreicht haben, haben wir den Erfolg erreicht, den wir nach außen hin angestrebt haben, der uns aus irgendeinem Grund aber keine Erfüllung bringt. Wir müssen uns immer mehr anstrengen, um das zu bewahren, was wir erreicht haben, versuchen wie gewohnt zu leben, denken dieselben alten Gedanken und tun das, was wir immer getan haben.  Dennoch haben wir zunehmend das Gefühl, in einem Leben festzustecken, das uns keine Befriedigung bringt.  Nun sind wir an einer Wegkreuzung angelangt. Wir können uns dafür entscheiden, einen Weg weiterzugehen, der uns im Kreise führt und schließlich mit dem Tod endet, oder wir können uns für einen Weg entscheiden, der zur Transformation führt ..." (Spezzano. Psychology of Vision)

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(wird fortgesetzt)

 


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