Unterwegs notiert:

 

Wir besuchen einen Gottesdienst. Das Thema - ausgehend von einem Bonhoeffer-Text - lautet: "Wer bin ich? Wer ich auch bin, dein bin ich, o Gott." ... Zwischendrin verteilen Konfirmandinnen Stifte und eine kleine, runde Pappe, mit der Einladung zur Selbstreflexion, z.B. mit der Frage nach eigenen "Vorbildern". Garnicht so einfach, in Gedanken sucht man nach Namen, Menschen, Persönlichkeiten. Nach einigem Nachdenken schreibe ich: "Ein Vorbild? - Mein besseres Ich".

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Jeder führt - bewusst oder unbewusst - kontinuierlich "Selbstgespräche", die müssen nicht laut sein, sondern spielen sich im Kopf ab. Sie sind notwendig zur Orientierung und Selbstverortung im Fluss des Alltags und des Lebens ... Soeben las ich: "Wie soll ich wissen, was ich denke, wenn ich nicht höre, was ich (mir) sage?" ;-))

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"Es gibt einen wichtigen Unterschied zwischen Optimismus und Hoffnung. Die Neigung des Optimisten, jede Art von guter Nachricht zu bejubeln und ein glückliches Ende vorherzusagen, ist verständlich, aber sie erzeugt emotionale Schwankungen, die nicht auszuhalten sind. Hoffnung dagegen ist notwendig, um weiterzuleben. Was mich betrifft, so erlaubt mir ein striktes Realitätsprinzip verbunden mit Hoffnung, im weiteren Verlauf dieser Geschichte eine bessere Gefährtin zu sein." (Siri Hustvedt in ihrem Buch "Ghost Stories", in dem sie den gemeinsamen Weg mit ihrem krebskranken Mann Paul Auster (+) - sie nennt es den Weg durch das "Krebsland" - nachträglich reflektiert)

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»Morgen Freibier!« Das verspricht manche Kneipe, denn morgen ist nie. So war auch die ewige Offerte eines Lokals in Mobile, Alabama, USA zu verstehen: »Austern satt für jeden 80‑jährigen Mann, der mit seinem Vater erscheint«. Aber der Wirt hatte die Rushs nicht auf dem Zettel. Da kam jetzt Jimmy an seinem Achtzigsten mit Jim, 99. Dreißig Jahre, sagten sie, hätten sie auf diesen Tag hingelebt." (aus der ZEIT, 12/26,  Rubrik *Prominent ignoriert*

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Pink Floyd ... In der Wuppertaler Stadthalle beamt die Cover-Band "Kings of Floyd" uns (das Publikum ist in hohem Maße Ü60) mit einem großartigen Konzert zurück in die Zeit, wo wir noch Parka & lange Haare trugen, in "Plattenläden" zu Hause waren, der DUAL-Plattenspieler (mit großen Boxen) unser "Heiligtum" gewesen ist und das Leben (Führerschein, Abi, Studium, Beruf, Familie etc.) noch vor uns lag ... Im Nachklang tauche ich auch Zuhause nochmal ein in die Welt und den Klang-Kosmos dieser Band ---- Wie sehr wir damals einer Platte entgegengefiebert und dann, nach dem Kauf vom eigenen Taschengeld, mit ihr wochen- und monatelang gelebt haben, das Cover gefreht & gewendet, die Texte studiert und mit der Musik "abgedrifted" sind, das alles ist und bleibt ein Teil unserer Biografie - nostalgisch-wertgeschätzt.  Und mit dem Produkt "Lenco Clean" können unsere Kinder auch nix mehr anfangen, geschweige denn mit den regelmäßigen Apothekengängen, um für wenig Geld die Zaubermischung aus destlliertem Wasser und Isopropanol-Alkohol fürs "Nass-Abspielen" zu besorgen ... ;-)

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"Wir leben  in einer Zeit, in der die Leute ständig ALLES knipsen, sich aber  keiner mehr wirklich von irgendwas 'ein Bild machen' kann, oder?" (Ralf Senkel, Kabarettist)

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Mein Handy liegt auf dem Schreibtisch und ich höre im Korridor ein summendes Vibrieren ... ups, hatte ich vergessen den "Stumm-Modus" wieder auf "Klingelton" umzustellen? Ich schaue nach, ob gerade Jemand versucht, mich anzurufen - nein, ich habe es nicht mehr auf lautlos geschaltet und niemand will mich sprechen ... Wieder aus dem Zimmer, höre ich das Summen immer noch. Es kommt aus dem Schlafzimmer. Dort liegt unsere Katze vor dem Fenster auf der Bank und schläft selig. Es war ihr *schnurrendes Schnarchen*, schön getaktet, zum Verwechseln ähnlich  ... Ich lasse sie im Reich ihrer Träume. Wenn sie aufwacht und Futter will, wird sie *miauen* ...  gibt es dieses *Miauen* (für Katzenfreunde)  eigentlich (neben Hundebellen oder Vogelgezwitscher) auch schon als Handy-"Klingelton"-Option ???

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Morgens um 7 ... Durch das halb geöffnete Fenster höre ich leise das morgendliche Glockengeläut der Kirche im Stadtteil. Je nachdem, wie der Wind steht, kann man es auf dezente Art hören, nicht immer so deutlich, wie an diesem Morgen. 34 Jahre zuvor haben wir direkt neben unserer großen Kirche gewohnt und das Geläut war laut & mächtig ... Das leise "Bimmeln aus der Ferne" dagegen erinnert mich an Urlaube und Urlaubsorte und weckt dementsprechend ein gutes Gefühl ... Irgendwie passt es auch, nach unserem Umzug und in den neuen vier Wänden, in denen wir nun (so dankbar und zufrieden, dazu in ruhiger Gegend und nahe zum Grünen), zu Hause sind. Noch immer fühlt es sich hier zwischendurch so an, wie in einer behaglichen Ferienwohnung ;-)

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Wenn's der Wahrheitsfindung dient, darf man zwischenzeitlich mal verwirrt sein.

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Auch in diesem Jahr praktizieren wir wieder vorösterlich "7 Wochen ohne" mit einem konsequenten Alkoholverzicht ... Es tut körperlich, seelisch und geistig gut, und es ist ein gutes Zeichen, diese Abstinenz anfechtungsfrei und mit leichtem Herzen zu erleben ... Und so hat auch der Schneefall über Nacht bei mir am frühen Morgen keinen Seufzer der Nötigung ausgelöst, sondern mich frisch & munter nach draußen geschickt, um rund um's Haus zu schieben und zu fegen ... ;-)

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"Ich glaube an Christus, so wie ich glaube, dass die Sonne aufgegangen ist - nicht nur, weil ich sie sehe, sondern weil ich durch sie alles sehen kann." (C.S. Lewis)

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Seit über dreißig Jahren sind wir auf unserer holländischen Urlaubsinsel Ameland "zu Hause" - meistens zum familiären Sommerurlaub, aber zwischendurch auch mal zu zweit,  im Frühjahr, Herbst oder Winter ... Zum Wochenende waren wir wieder dort, und sobald wir von der Fähre kommen, ist alles, was wir vorfinden, voller Vertrautheit und reich an Erinnerungen & Bezügen ... Es ist wirklich immer wieder ein "Heimkommen" und ein Glücksgefühl, dort zu sein ... Ein weiter Bogen tut sich auf, von den ersten Urlauben mit den noch heranwachsenden Töchtern bis in die Gegenwart unserer nun nach-beruflichen Zeit und im  fortgeschrittenen Alter. Und so stehen wir wieder am Strand - zum Jahresanfang 2026 - und blicken auf's Wasser, die anrollenden Wellen, die Spuren im Sand ... Winter ist es, kalt und neblig - aber es tut gut, wieder hier zu sein, und in mir regt sich ein tiefempfundenes "DANKE", das weit übers Meer und hoch in den Himmel geht ...

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„Der Erste Weltkrieg – 100 Millionen Tote !!!  Er wurde eigentlich von der Spanischen Grippe beendet. Kaum jemand weiß das!“ ... Echt jetzt??? Tatsächlich hat er das gesagt, der Donald  in seiner unfassbar irren und verpeilten  Rede auf dem Davos-Gipfel ---- Kein Stand-Up-Komiker haut soviele Kracher raus, wie dieser Irre, geisteskranke Blödmann.

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"Ich bin tendenziell Hypochonder und, das Kuriose: mein Hausarzt auch. Manchmal steigern wir uns da beide rein, aber meistens kann ich ihn beruhigen." (Hape Kerkeling)

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"Man versteht als Uneingeweihter zwar nicht, wovon die Rede ist, aber man hat das sichere Gefühl, der Autor weiss ganz genau, wovon er schreibt." (Charlie Chaplin über Albert Einstein) ;-))

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Immer öfter kommt mir der Gedanke: "Was macht eigentlich ....?", und dann suche im Netz nach aktuellen Informationen und Fotos von Künstlern, Schauspielern, bestimmten Personen, die mir aus früheren Zeiten noch präsent sind und wieder in den Sinn kommen. Oder ich stoße zufällig auf aktuelle Bilder von ihnen, die mich aus dem Hier & Jetzt anschauen ... anno 2026. ---  Unwillkürlich  gleiche ich  ihre zuvor verinnerlichten und noch vertrauten Gesichter aus jüngeren Jahren ab mit ihren jetzigen, lese dazu ihr  aktuelles  Alter .... und bin immer wieder überrascht, hin und wieder erschrocken, oft erstaunt, auch mal sehr nachdenklich ... Dass die Zeit vergeht, wird augen-blicklich konkret und anschaulich. Beim täglichen Blick in den Spiegel mag der Kontrast-Effekt wohl ausbleiben - der kommt aber mittlerweile auch beim Anschauen alter Fotos, auf denen man sich selbst erneut zu Gesicht bekommt  - und hoffentlich, das ist zu wünschen, immer noch wiedererkennt ;-)))
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"Ich verdanke der Literatur, dass sie mich in Bereiche geführt hat, die mein eigenes Erleben niemals auch nur gestreift hätte. Ich verdanke der Literatur ERLEBEN und ERFAHRUNG. Ich verdanke ihr die Abbildung der Welt weit über die Grenzen dessen, was ich mir hätte beibringen können .... Ich bin ein Hoffräulein gewesen aus dem 12.. Jahrhundert in Japan, ich bin ein Arbeiter aus den Schlachthöfen in Chicago in den zwanziger Jahren. Ich hab mich auf den Straßen Amerikas oder Afrikas rumgetrieben .... Die Literatur hat mich in alle Bereiche geführt,
sie hat mir Denkformen, Fühlformen beigebracht, die ich selber hätte niemals aufbringen können." (Roger Willemsen)
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"Wenn die Sonne der Kultur niedrig steht, werfen auch Zwerge lange Schatten." (Karl Kraus)

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Manchmal erleben wir (hoffentlich) Momente und Augenblicke tiefer (nicht nur oberflächlich-flüchtiger) Dankbarkeit - hat sie für uns eine Adresse ???

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"Mein ganzes Leben ist Vorbereitung auf die nächste Rolle. Das, was ich bislang geschafft habe, war im Grunde nur die Vorbereitung für die nächste Aufgabe und die übernächste und dann die danach ... Letztlich geht es immer wieder darum, die Sehnsucht, die Kraft, die Angst und den Mut, den Hass und die Liebe, die Verwundbarkeit und Verrückheit zu durchleuchten und produktiv zuzulassen." (Achim Rohde, Schauspieler)

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Am Vormittag habe ich (auf Anfrage und in Verbundenheit) mal wieder eine Beisetzung. Bei der Traueransprache findet natürlich auch das Persönliche im Lebensrückblick seinen Platz - u.a. frühe Urlaubsreisen, über die Alpen, mit einem vollbepackten VW-Käfer. Ich versehe es mit einer humorigen Note und zitiere den damaligen VW- Werbeslogan aus den 60ern .... Am Abend greife ich zu meiner derzeitigen Lektüre, Jähners Buch über die frühen Jahre der Republik, und kaum habe ich die Seite umgeblättert, sehe ich mich zum Tagesausklang wörtlich in meiner Erinnerung zitiert: " ... Und er läuft und läuft und läuft ...". Damals, so die biografische Anekdote, brauchte er allerdings Anschubhilfe; Fünf Personen plus Gepäck waren ihm für die Steigung zu beschwerlich. - Nicht gefragt hatte ich, ob denn auch die Heizung des Käfers damals im Hochsommer -  als Konstruktionsmangel überliefert -  zuverlässig und unabstellbar funktioniert hat ;-))

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"Das Ungewisse ist das Leben selbst. Es zu leben bedeutet, diese Ungewissheit zu akzeptieren." (Michaela Doepke)

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"Manche Menschen verpassen den Himmel nur um 45 Zentimeter - die Entfernung zwischen ihrem Kopf und ihrem Herzen." (Corrie ten Boom)

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Ich habe mich immer gegen das gewehrt, was man "Politikverdrossenheit" nennt ... Mittlerweile ertappe ich mich selbst dabei, die Nachrichten nicht mehr regelmäßig einzuschalten, bestimmte Dinge von mir fernzuhalten und Manches nicht weiterzudenken.

 

wird fortgesetzt ...a


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