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UNTERWEGS NOTIERT ...

Auf SPIEGEL-Online sehe ich ein kurzes Video mit der Überschrift "Und plötzlich wird wieder gelacht". Es zeigt Kamalla Harris, am Mikro im Senat, mit einem gelösten, herzhaften Lachen über sich selbst ... Und plötzlich wird uns bewusst, dass man vier Jahre lang nur in angespannte, verschlossene, aggressive oder arrogant-grinsende Gesichter geschaut hat, wann immer "Nummer 45" sich in Szene gesetzt hat und die Seinen ins Bild kamen.

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Ein Buchtitel: "Konfession: Katholisch. Eine Liebeserklärung." - Ein provokanter Titel, der sicher Widerspruch, Kopfschütteln oder gar Empörung auslöst. Die Gründe dafür sind bekannt und geläufig ... Aber der Inhalt des Buches ist an vielen Stellen sympathisch und nachvollziehbar. Aus protestantischer Sicht jedenfalls empfinde ich durchaus immer wieder Hochachtung vor dem Reichtum, der Tiefe, der Freiheit & Fülle, die in der katholischen Welt (in Geschichte und Gegenwart) auch zu finden ist! - Befreiungstheologie, Mystik,  inter-religiöse und kulturelle Verbindungen, liturgische Formen, theologisch-philosophischer und spritueller Reichtum, seelsorgliche Weisheit - da darf auch der protestantisch Gebundene hier und da etwas vom katholischen Liebesglück ahnen ;-))

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"Man muss wissen, dass Beipackzettel maßgeblich für Juristen geschrieben werden und nicht für Menschen .." (Eckkart von Hischhausen in einer Talkshow) - Ich packe mal alle Juristen ganz frei und großzügig mit hinein in die Kategorie *Mensch* ;-)))  - aber verstehe als Nicht-Jurist natürlich die entspannende und heilende  Aussage des Mediziners ;-) 

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"Die Ordnung, die er um sich herum geschaffen hatte, lieferte ihm ein zusätzliches Jahr seines Lebens, die andere mit Suchen vergeudeten." (Harry Mulisch. Die Entdeckung des Himmels)

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Eher zufällig klicke ich am 6.1. auf den amerikanischen TV-Sender CNN, um mitzukriegen, wie die Wahl in Georgia um die Senatssitze wohl ausgeht und wie Biden nun offiziell zum nächsten Präsidenten der USA erklärt wird ... Dann aber werde ich unmittelbar und zeitgleich Zeuge der unglaublichen Bilder von der Erstürmung des Capitols in Washington. Es ist atemberaubend, von Minute zu Minute die Entwicklung zu sehen, die Reporter zu erleben, die Fassungslosigkeit ... Es ist historisch, was da passiert, ein Einschnitt, ein Drama ... Trump zeigt und offenbart am Tag dieser endgültigen Niederlage nocheinmal seine Bosheit und Skrupellosigkeit, für Amerika und die Welt. Und das Verhalten, die Geisteshaltung, der Fanatismus seiner Wähler und Anhänger offenbart tiefe Abgründe  seiner Hinterlassenschaft ------ "Epiphanias" steht übrigens an diesem 6.1. in unserem Kalender, übersetzt aus dem Griechischen::"Erscheinung",  Offenbar- und Sichtbarwerdung - was für eine bittere Ironie!

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Ich höre in einer Auseinandersetzung den Satz "Du weißt doch - ich habe keinen Humor!" ... Mmmhh ?!?  ... "Wer suchet, der findet!" Matthäus 7,8 ...

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"Improvisieren, das heißt: Man läuft ohne oder mit der falschen Karte in den Wald hinein. Am Ende findet man trotzdem wieder hinaus und kennt sich und den Wald noch besser als vorher." (Dossier in der ZEIT/1-2021)

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"Gott sagt: Liebe Deine Feinde! - Ich hab ihm gehorcht und angefangen - mich selbst zu lieben" (Kalil Gibran)

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"Du hast einen Narren an deinem Gehirn gefressen?" - "Ja, das stimmt", sagt der Psychologe aus dem Forschungslabor mit dem Fokus auf  'Hirn und Geist' .... Der Schamane aber antwortet: " Aber nicht im Gehirn spielt die Musik, sondern im Herzen ...  Mit dem Herzen liebt die Seele 'ohne Wenn und Aber', ohne all die Bedingungen, die wir an die Liebe knüpfen. Das Hirn ist zwar bestens geeignet, uns irgendwie durchs Leben zu navigieren, aber man sollte nicht alles danach ausrichten." (Alberto Villoldo, Zitat Don Manuel)

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Anna (2 Jahre), unsere Enkelin,  fragt ihren Papa: "Was ist das?" - "Das ist ein Thermometer!!", sagt Papa - Anna überlegt und sagt zustimmend: "Das ist richtig!" ;-)))))

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Corona und kein Ende ... Immer deutlicher wird, dass dieser anhaltende Einbruch in das Gewohnte nicht nur eine materielle, sondern auch eine tiefe  soziale und spirituelle Krise ist: Sozial, was die Verhaltens- und Denkweisen des "Ich"  in der Verhältnissetzung zum "Wir" angeht. Spirituell, was die Bewusstseins- und Werte-Ebene betrifft, in der Menschen sich grund-sätzlich mit ihrem Dasein ver-orten.

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Woran merke ich das Älterwerden am stärksten? - Am hier & da physisch-geistigen Kräfteabbau, dem Erleben der Kinder & Enkel, dem erneuten Kalenderwechsel ("Schon wieder ein Jahr!") oder bestimmten Erinnerungen ("Ist das schon so lange her?") ??? ... All das auch, aber heute kam mir der Gedanke: Wohl daran, dass - im Unterschied zu jüngeren Jahren - kaum ein Tag vergeht, an dem ich nicht in irgendeiner  Situation an das eigene Lebensende denke! Nicht depressiv oder panisch, sondern ganz nüchtern und sachlich. Zeitrechnungsversuche unnütz, Phantasien über das wo und wie ebenso. Aber eine "schattige Präsenz" gewinnt das Bewusstsein der eigenen Endlichkeit doch mit jeder neuen Jahreswende.

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Ich lese ein sehr unterhaltsames, humoriges Buch über das Ruhrgebiet, meine Heimat, diesen eigenen Kultur- & Sprachraum ... "Datt is dem Ralle seine Ische!" ... Alles klar? ;-))

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Irgendwo in der us-amerikanischen Wüstengegend Utas wurde ein metallener Monolith entdeckt - wer auch immer ihn dahingestellt hat, anonym, auf den Tag der Entdeckung wartend und als Reminiszenz an Stanley Kubricks Kultfilm  "2001 - Odyssee im Weltraum" ... Das Bild und die Nachricht gehen um die Welt ... Sehr schön, die Überschrift beim Nachrichtensender CNN: "Möglicherweise stammt der Monolyth nicht von außerirdischen Erd-Besuchern ..." ;-))

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Manchmal gibt es ungewollte, unbeabsichtigte Koinzidenzen - so am Vormittag bei einer Beerdigung. Gestern war das Trauergespräch und die Angehörigen waren erschrocken darüber, dass die Trauerfeier heute, am 11.11. und noch dazu um 11 Uhr, angesetzt wurde. Sie hatten es vorher in der Terminierung garnicht wahrgenommen, ich selbst bei der Eintragung des vorgegebenen Termins in meinen Kalender vor einer Woche auch nicht ... Erst durch irritierte Rückmeldungen aus ihrem Umfeld wurden sie unsicher und es brauchte ein paar Augenblicke des Gesprächs, um die Irritation zu relativieren und uns innerlich unabhängig zu machen von den karnevalistischen Assoziationen außerhalb von Trauerhalle und Friedhof ...

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"Wir wissen nicht, woher wir kommen/ wir wissen nicht, wohin wir geh'n / wir sind von einer Großen Hand genommen/ wir sind die Frage, DU bist das Versteh'n" (Schalom Ben-Chorin")

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"Trombeck antwortet einer Frau, die von sich sagt, dass sie dem chaotischen und disharmonischen FREE-JAZZ nur in Aktion und live etwas abgewinnen kann. Sie meint,  "dass Freejazz bei mir nur geht, wenn ich sehe, wie er gemacht wird!" --- Darauf die Antwort: "Das unterscheidet den Freejazz dann wohl definitiv von der WURST, da will man das ja lieber nicht sehen." ;-) (Fundstück)

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"Es existieren derart gute Fragen, dass es schade wäre, sie mit Antworten kaputtzumachen. Es existieren Fragen, die wie ein Fenster geöffnet bleiben sollten. Diese Offenheit muss nicht zur Resignation führen, sondern in die Kontemplation." Halík, Prof. Tomás. Ich will, dass du bist.

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Vorgestern hatte ich eine Beerdigung, bei der die Asche des Verstorbenen nicht auf dem Friedhof, sondern in einem "Friedwald" zwischen Bäumen & Herbstlaub in die Erde kam ... "Erde zu Erde, Asche zu Asche, Staub zu Staub" ... In strömendem Regen standen wir, auf rutschigem Waldboden, in der Stille zwischen dem, was Wurzeln hat und sich zum Himmel streckt. - Als ich danach - für mich selbst - den Waldweg zurück ging, berührte mich das Zyklische, Geerdete, Natur-Sakrale, das ich gerade mit den Angehörigen erlebt und geteilt hatte. Ich atmete die Waldluft, ging meine Schritte und spürte ein Einvernehmen zwischen Himmel & Erde ...

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Nach einem Tag mit getrübter, dunkler und missmutiger Stimmung, hole ich am Abend meine Frau vom Besuch bei den Enkeltöchtern ab ... Ich komme rechtzeitig zur "Bett-geh-Zeit" und erlebe, wie Anna (2 Jahre) sich freut, dass der Opa  noch kommt  ... Mehrmals nimmt sie mich bei der Hand, um mir noch etwas zu zeigen, dreht noch mal auf, sucht lachend meine Nähe und möchte am Ende die Gute-Nacht-Geschichte von mir hören ... So endet der Tag, als wir das Licht ausmachen und es draußen längst dunkel ist , 'heller' für uns beide ;-))

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"Wer hat nicht für seinen guten Ruf schon einmal - sich selbst geopfert?" (Friedrich Nietzsche)

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Das Kalenderjahr geht in die Schlusskurve, mit ungewisser Entwicklung der Pandemie ... Zur Zeit wünschen alle "die Rückkehr zur Normalität"? - Und ich notiere nocheinmal: Welche und wessen, in dieser Welt - zwanzig Jahre nach dem großen Millenumswechsel ins 21. Jahrhundert ???

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"Suzanne" von Leonard Cohen (was für eine langweiliger Song!),  "Born in the USA" von Bruce Springsteen (furchtbarer Patriotismus!) , "Ring of Fire" von Johnny Cash (Country-Music? Och nöö!) - Drei Beispiele dafür, dass ich bestimmte Künstler zunächst reduziere auf einen Song, ein Vorurteil, ein Clichè ... und hinterher erst entdecke, wie interessant,  tief & reich sie in ihrer Persönlichkeit und ihrem musikalischen Schaffen sind und waren ...

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"Ich fürchte nicht die Leute, die mich wirklich lesen; ich fürchte diejenigen, die über mich schreiben (oder reden), ohne mich gelesen zu haben, und die stattdessen umso bemühter sind, im voraus zu erklären, es sei überhaupt am besten, meine Bücher garnicht erst zu lesen."  (Eugen Drewermann)

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Die derzeitige Krise durch die Pandemie wird als "Ausnahmezustand" erlebt, nach deren Bewältigung (die Suche nach einem Impfstoff, die Eindämmung der Infektionsketten etc.) man sich eine "Rückkehr zur Normalität" erhofft ... Dabei offenbart der Corona-Einbruch tatsächlich (global, gesellschaftlich, sozial, systemisch) vieles, was schon zuvor nicht normal war, "zum Himmel schreit"  und auf Dauer auch nicht gut gehen kann. Wenn "Apokalypse" bedeutet "Offenlegung und Untergang", dann wird durch Corona zur Zeit in der Tat vieles offengelegt/offenbar, was zuvor verdrängt, geleugnet und ignoriert wurde, und dann hat in der Tat vieles in der Zukunft keinen Bestand mehr, was Viele von uns noch als "Normalität" zurück haben möchten ...

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"Don't play the offended liver sausage!" ... ;-)

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Am Vormittag ein Trauergespräch zur Vorbereitung einer Beerdigung. Die Angehörigen nehmen Abschied von ihrer Mutter/Schwiegermutter, deren Tod am Ende eine deutliche Erlösung war. Der eigentliche Abschied fand - nach vielen  Jahren zunehmender Pflegebedürftigkeit & Reduktion - schon zuvor statt. Im Blick auf auf die Trauerfeier und meine Ansprache höre ich den Wunsch, nicht nur der biografischen & persönlichen Würdigung Raum zu geben, sondern auch deutlich das Evangelium zu predigen - sprich: Zu sagen, was uns im christlichen Bekenntnis Trost, Hoffnung & Zuversicht über unser irdisches Dasein hinaus gibt. --- Ich freue mich über diesen Impuls, der im volkskirchlichen Rahmen unserer Beerdigungen selten so klar gewünscht und ausgesprochen wird!

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Muss KUNST 'neuzeitlich' - im je aktuell- gegenwartsbezogenen Schaffen, Darstellen & Vermitteln - "weh tun", provozieren, herausfordern?  Oder ist sie freies Spiel, un-ernst, 'L'art pour L'art', sogar Unterhaltung? Muss Kunst 'gefallen'? Darf sie trösten und Zuflucht sein? Wo wird sie funktionalisiert und ideologisch missbraucht? Ist Kunst dem Genuss oder der Auseinandersetzung dienlich & verpflichtet???

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"Ich werde immer jüdischer! " Dorothee Sölle -  ein herausfordernder, tiefgehender Satz, dem ich nachsinne, was das Existenz-, Welt- und Lebensverständnis betrifft ...

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"Pause. Nichts wird je endgültig gelöst. Lösungen sind eine Illusion. Es gibt Momente spontaner Klarheit, in denen der Verstand mündig erscheint., doch das sind bloße Epiphanien." (Patti Smith. Im Jahr des Affen)

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Zuviel um die Ohren" ... Innerhalb von zwei Tagen, über's Wochenende, überfällt mich Ohrendruck, Hörminderung, akuter Schwindel. Die HNO-Diagnose: Verdacht auf Hörsturz, Lagerschwindel, gestörte Durchblutung des Innenohrs. Das seit Monaten bestehende Zuviel an Arbeit, Druck & beruflicher Ver-Antwort-ung  macht sich bemerkbar - und will als Warn-Signal 'gehört' werden ...

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"September Songs" heißt die aktuelle CD-Beilage  im ROLLING STONE ... Auffällig, wieviele Songs/Lieder es gibt, die gerade diesen Monat im Titel & zum Thema haben. Es ist wohl dieser Nach-Klang eines Sommers, einer Sommerzeit, die sich nicht festhalten, nicht wiederholen lässt. Der Oktober verbindet sich schon herbstlich mit laub-gefärbten Blättern, auch wenn er 'golden' ist. Der September haftet noch, aber definitiv abschiedlich, am geendeten Sommer. Noch fallen die Blätter nicht, aber die Tür des Sommers fällt gerade hinter uns ins Schloss ... 

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Der Freund redet seit Langem davon, dass es seine wichtigste Aufgabe ist und bleibt, "bei sich zu bleiben", kontinuierlich ... In Gesprächen, wo und wie wir durch's Leben unterwegs sind, benutzt er das schöne Richtungswort "meinwärts" :-))

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"Verunsichert" hieß das Film-Drama gestern Abend im Ersten, mit der klasse agierenden Henny Reents - Es ging um das strategische, zahlungsverweigernde Vorgehen eines Versicherungskonzerns ggü. Kunden, Opfern & Schadensklägern, angelehnt an einen tatsächlichen Fall  ... Exemplarisch??  ... Ein schwieriges, komplexes Thema --- Gerade die Branche, der es um "Vertrauen" geht , die damit wirbt und die davon lebt, ist (beidseitig - von Kunden und von den Anbietern her) ein Terrain des Misstrauens, in einer wohl schier unlösbaren Verquickung. Die Anbieter schützen und verteidigen sich gegen den (hier und da gängigen)  Missbrauch -  der wiederum zunimmt (und z.T. zum allgemein akzeptierten 'Volkssport' geworden ist),  je 'gieriger', 'unseriöser', 'knausriger' oder verweigernder die Anbieter von der Kundschaft  erlebt werden... Da ist der Titel des Films treffend gewählt und spiegelt das tatsächliche Paradox.

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(wird fortgesetzt)


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