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UNTERWEGS NOTIERT ...

1985 saß ich ihm gegenüber, im Landeskirchenamt in Düsseldorf, bei der Prüfung zum 1. Examen im Fach "Altes Testament" ... Das vorgegebene Thema war "Hiob", und ich ging in die Prüfung, ohne es vorher - im monatelangen, angehäuften  Lernpensum - geschafft zu haben, mein Hebräisch (gelernt in den ersten Semestern) so aufzufrischen, dass ich eine Passage aus dem Buch hätte übersetzen können - Risiko! ;-) .... Mit der zu erwartenden Aufforderung, einen Textabschnitt zu übersetzen, fing die Prüfung nun aber - ganz selbsterständlich und vorausgesetzt - an. Ich musste also passen und war sogar unfähig, die Textstelle überhaupt zu identifizieren ... im 2-Tage-Examens-Marathon von ingesamt fünf Prüfungen in fünf verschiedenen Fächern, sah ich mich schon nach 2 Minuten verzweifelnd untergehen ... Der Prüfer und seine Beisetzer wechselten Blicke. Es wurde etwas notiert. Ende der Fahnenstange??? ... Statt das Ganze nun schon im Ansatz für beendet zu erklären, bekam ich nun doch noch ein paar Fragen gestellt, die ich einigermaßen beantworten konnte, Aber als ich nach 20 Minuten rausging, war alles uneindeutig und mir schwante nichts Gutes ... Am Ende war es noch ein "ausreichend", aber andere Prüfer hätten dies defintiv nicht durchgehen lassen. - 35 Jahre später darf ich Pfarrer in der Gemeinde sein, zu der die "KiHo", an der er lehrte, gehört .... Heute bekam ich den Anruf, dass mein gnädiger Prüfer von damals, verstorben ist, mit knapp 92, und ich werde ihn beerdigen und die Trauerfeier machen --- H.J.B., Professor für Altes Testament. Es bewegt mich sehr.

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Ich lese: ""To say 'no' to President Trump would be saying 'no' to God." Ein Nein zu Trump wäre ein Nein zu Gott: Diese Aussage stammt von Paula White, Fernseh-Predigerin, spirituelle Beraterin von US-Präsident Donald Trump – und seit November auch Mitarbeiterin in seinem Team für Öffentlichkeitsarbeit." ... Ich glaub ja nicht an den 'Teufel' ;-), aber manchmal höre ich ihn hinter den Kulissen voller Hohn und Spott  lachen ...

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"Alexa" - das neue, nützliche Spielzeug in unseren Häuslichkeiten. Auf Zuruf gibt das kleine Ding (fast) alle Infos, die du haben möchtest, spielt dir die gewünschte Musik, ersetzt Radion und Weckdienst ... Es reicht eine Aufforderung, eine klare Ansage, ein Befehl. ---  Vielleicht liegt das Geheimnis des derzeitigen Verkaufserfolges ja auch darin, dass "Alexa" sofort pariert, stets bereit ist, deine Wünsche umgehend und ohne Umschweife zu erfüllen, dass 'sie' keine Widerworte gibt, nicht anfängt, mit  dir zu diskutieren ... Und schon höre ich den Ruf nach Gerechtigkeit und nach einer männlichen Ausgabe, bei der man nun das "-a" am Ende  weglässt  ...  ;-))

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Neben der Figur des asketischen oder welt-entrückten, meditativen Buddha, gibt es auch Figuren, die den dickbäuchigen, lachenden Buddha ("Budai"") der chinesischen Tradition darstellen ... Ich lese, am Neujahrstag, und bevor es wieder hineingeht in die "Gefechte des Alltags": " Das Lachen des Mönchs entspringt jener Ungezwungenheit, die das Ich aus seiner Starre befreit und über sich hinaus, ja sich selbst weg lacht. Sich selbst weg lachen? Ich wär‘ schon froh, schaffte ich es, mich selbst nicht ganz so ernst zu nehmen – frei nach einem Kaffeetassen-Spruch: „Lächle! Du kannst sie nicht alle töten.“  ;-))))

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Advent und Weihnachten liegen hinter uns, der Jahreswechsel nun auch - und allmählich werden in den kommenden Tagen die vor sich in rieselnden Weihnachtsbäume entsorgt. Und die Krippen? Maria, Josef, die Hirten, die drei Weisen und mittig, der Heiland der Welt??? Wie lange bleibt die Krippe stehen, wann kommt sie "weg", wird eingepackt und erst in 11 Monaten wieder aufgestellt??? -  Unsere 'Ostheimer'-Krippe, mit ihren eher modernen Naturholz-Figuren, ohne Kitsch, nicht-barock, steht im Esszimmer, neben der Terrassen-Tür, auf dem Schrank in Augenhöhe. Sie könnte da stehen bleiben und wäre optisch/ästhetisch kein Fremdobjekt ----- Heute kam mir der Gedanke: Man müsste sie mal stehen lassen!!!  365 Tage lang, durch Frühling, Sommer, Herbst & Winter, auch im Hochsommer!  Denn das "Euch ist heute der Heiland geboren!" ist Frohe Botschaft an jedem neuen Tag, an dem die Welt sich dreht. Das Kind "verschwindet" nicht, ist nicht "verschwunden", bleibt präsent, bleibt durch das ganze Kalenderjahr der Präsente, Gegenwärtige .... Und wenn wir, Tag für Tag, unseren Blick auf's Kind werfen, wäre es ein Impuls, ganz im Sinne von Angelus Silesius: "Und wäre Christus tausendmal in Betlehem geboren, doch nicht in Dir, so wäre es umsonst geschehn!"

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Mein Lieblingsvers (nicht nur, aber auch und besonders) zu jedem Jahresende und Jahreswechsel:

"Der DU allein der Ewge heißt

und Anfang, Ziel und Mitte weißt

im Fluge uns'rer Zeiten

Bleib DU uns gnädig zugewandt

und führe uns an Deiner Hand

damit wir sicher schreiten"

H.D.Hüsch schreibt in seiner Autobiografie ("Du kommst auch drin vor", 1990) offen über die Zeiten, in denen er - als Kabarettist oft wochenlang von Stadt zu Stadt unterwegs - seine Nächte in Etablissements, Kneipen & 'Freudenhäusern' zugebracht hat, bis zum Morgengrauen ... und dann, vor der Weiterreise, von diesem oder jenem  "Wartesaal" der Bahnhöfe --- "Dort kann man dann reflektieren, sich in Frage stellen, das Leben wieder fortsetzen, die Welt nimmt einen wieder auf ... und man kehrt heim zu Tisch und Brot, der Rausch verfliegt, die Demut siegt, die Masken sind gefallen, bei allen, doch größer wär' der Menschen Not, wär nicht ein Gott, der milde mit uns allen."

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Wenn Menschen mir sagen, dass sie "nicht an Gott glauben", gebe ich ihnen häufig nach kurzer Zeit Recht und bin ihrer Meinung. Sie reagieren dann irritiert und verwundert ... Aber genau wie sie, glaube ich nicht an einen "Gott", wie sie ihn im Sinn oder vor Augen haben. Dieser Gott ist eine Karikatur, die wir dann - im besten Fall - beiseite schieben und korrigieren können - um Gottes willen!

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In Meir Shalev's Familienroman 'Fontanelle' lese ich mit einem Schmunzeln folgende schöne Stelle: "Rachel sagt, in der Mehrheit seien sie 'Zucchini" - das heißt, sie passen sowohl zum Braten als auch zum Kompott!" ... ;-)) ...

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"Ich habe in diesem Jahr drei Abschiede erlebt ...", sagt mein Gegenüber, und bevor ich mein Bedauern oder gar mein Beileid aussprechen kann, höre ich: " ... und das hat mir so gut getan!" - Ich schaue in ein zufriedenes Gesicht und höre, was gemeint war: Das Sich-Lösen aus Beziehungen, die nicht gut tun, runterziehen, unerquicklich geworden sind. Diese Abschiede müssen nicht im Zorn geschehen, nicht in Verbitterung oder im Nachtreten - sie können einfach geschehen, in dem man sich und den Anderen/ die Anderen auf eigene Wege entlässt ... "Gestern habe ich sogar noch für eine der Personen eine Kerze angezündet und ihr aus der Ferne Gutes gewünscht!" ...

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Im Bahnhofs-Kiosk schaue ich nach der neuesten Ausgabe des ROLLING STONE und finde sie nicht. Der RS hält bis heute den Lesern die Treue, die immer noch (wie ich) Dylan, Springsteen, Young, U2, die Stones etc. hören .... Ich spreche die junge Verkäuferin an - ca. 20 Jahre alt - und muss zweimal den Namen der Musikzeitschrift aussprechen, den sie nicht einordnen kann. Daraufhin fragt sie eine andere, ältere Kollegin, kriegt dabei aber das Wort "Rolling Stone" nicht über die Lippen ;-)  ... Beim Rausgehen - die Ältere konnte mir helfen -, fällt mit lächelnd und im Selbstgespräch ein, was ich der Jüngeren hätte erklären können: "Pass aus ... Ro-ll-ing St-o-ne ... Mit 'nem 's' dran ist es eine Musikgruppe, die Deine Großeltern bestimmt gerne gehört haben. Ohne 's' und mit einer Textzeile ist es ein Song, den Deine Großeltern sicher ebenfalls kennen ... Was ich gerade meinte, ist ein Produkt, das in Alten- und Pflegeheimen mittlerweile sicher eine hohe Abonnenten-Bestellung hat!" ;-)))

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Bücher ausleihen -  Nur ein paar Minuten von meiner Haustür entfernt, oben auf dem "Heiligen Berg", nach einem kleinen Aufstieg durch den Wald schnell erreicht - das Theologische Zentrum, die KiHo und die Landesbibliothek der EKiR ... Wann immer ich dort bin, mir mal wieder Bücher ausleihe oder zurückbringe, über den kleinen Campus gehe, überkommt mich Staunen und Dankbarkeit. So wie an diesem frühen Abend  im November 2019, wo die erleuchtete Bibliothek mir im Dunkel entgenstrahlt  ... Denn Anfang der 80er war ich hier eingeschrieben als Student, kam für ein paar Semester Woche für Woche zu Vorlesungen & Seminare aus Bochum, wo ich an der Uni eingeschrieben war und im Studentenwohnheim wohnte, das Examen und die komplette, weitere, unsichere  Zukunft noch vor mir ... Nun bin ich seit fast 30 Jahren Pfarrer in Unterbarmen, KiHo & Theol. Zentrum gehören zu meinem Gemeindebezirk und die Verbindung zur Hauptkirche, die persönlichen Kontakte & das Miteinander in Gottesdienst und Gemeindeleben sind ein Geschenk, das ich mir in meiner Phantasie rückblickend gerne mal als "Blick in die Glaskugel" geben würde ... "Hallo? Examensängste? Unklar, wo der Weg Dich hinführt? - Hier, schau mal rein ..."  :-))

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"Apokalypse now? - Unsere Frage nach dem Morgen" ... Titel eines Films von Francis Coppola Ende der 70er Jahre ...  Gestern (am Buß- und Bettag) war es Aufhänger & Thema unseres ökumenischen Gottesdienstes. In meinem Teil einer Dialogpredigt mit T.W. (Pastor einer freikirchlichen Nachbargemeinde) lasse ich mich, angesichts der Weltentwicklung, zunächst ein auf ein Bekenntnis zu Ratlosigkeit & Angst, was die Zukunft unserer Kinder & Enkel angeht. Vorschnelle, fromme Beruhigungen  oder bibelzitierender Fatalismus (Stw. "Endzeit!") sind mir ein Gräuel. Ich fühle (als angefochtener Christenmensch) Nähe zum "Dennoch & Trotzdem" des Dr. Rieux ("Die Pest" von Albert Camus), zitiere Bob Dylan ("I'm hanging in the Balance of the Reality of Man") - und suche nach Pack-Enden für mein "Glauben, Hoffen & Lieben" ... Ich finde sie - angesichts der derzeitigen 'zu Ende gehenden' Welt-Realitäten in Jesu Rede von den "Geburtsschmerzen" (!) einer Neuen Welt. Und in den Worten von Jörg Zink: "Viele meinen, wer heute noch eine Hoffnung habe, müsse ein Tor sein oder ein Träumer oder aber ein Verzweifelter ... Ich meine aber, es gebe Gründe zu hoffen. Ich meine, die Zukunft der Welt sei nicht festgeschrieben. Ich meine, unsere Zukunft habe ein anderer in der Hand als der Mensch in seiner Ahnungslosigkeit und seiner gefährlichen Selbstsicherheit. Ich meine, es sei in der Welt noch eine andere Weisheit am Werk als die des Menschen." ... 

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"Gewalt ist der untrennbare Zwilling des Materialismus!" (Martin Luther King)

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Wenn Du Dich bei Jemandem bedankst, nur für eine kleine Handreichung, eine kleine Gefälligkeit, hörst Du immer öfter als Antwort: "Kein Problem!" ;-))) ... Ich denke dann: Das will ich doch jetzt mal glauben und hoffen, dass das für Dich "kein Problem" war ...  und schlage - ganz altmodisch - ein "Bitte schön! Gerne!" als Antwort-Variante vor! ;-)

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Wie schnell sagen Menschen, die etwas nicht an sich heranlassen wollen: "Das ist nicht meins!" - Eine mögliche, weiterführende, einladende   Antwort könnte sein: "Prima ... aber am Fremden wachsen wir !!!" ;-)

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Kennt ihr dieses Gefühl? - Kommt ein Mann aus dem Büro und sagt zu seiner Frau: "Puh, war das wieder ne Woche." - Sagt die Frau: "Ich muss dich leider enttäuschen, es ist erst Montag."

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