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"What ... Shit happens?!?"

Eine Besinnung in diesen Corona-Zeiten

 

 

 

Von John Lennon, dem Ex-Beatle, stammt wohl der Satz: „Leben ist das, was Dir jetzt gerade passiert, während Du eigentlich mit

ganz anderen Plänen beschäftigt bist!“

 

Mir gefällt dieser Satz, weil er sich immer wieder bewahrheitet.

Auch in diesen Corona-Zeiten, die global, gesellschaftlich, in unserem persönlichen Umfeld und auch für uns selbst, alles auf den

Kopf stellen und durcheinander bringen.

Leben ist das, was jetzt gerade passiert, während wir selbst mit ganz anderen Plänen beschäftigt sind!“

 

Wie damit umgehen?

Wenn das Leben uns überrascht, uns überfällt, mit „außerplanmäßigen“ Ereignissen & Widerfahrnissen?

Wenn es uns in andere Richtungen führt, als wir es wollen und erwarten?

Wenn es uns hinführt, wohin wir nicht wollen?

 

Wieviel Sinn steckt hinter allem – oder wieviel Unsinn?

Gibt es Fügung, Lenkung, ein vorherbestimmtes Schicksal?

Shit happens!“ sagen die Einen – und meinen: Es passiert halt, manchmal absurd und sinnlos, weil Jemand gerade zum falschen

Zeitpunkt am falschen Ort ist.

Wie kann Gott das zulassen?!“ - klagen und grollen die Anderen, weil das Leben kollidiert mit dem Glauben an einen lenkenden und

schützenden Gott.

 

.....

 

Auch durch die Bibel zieht sich die Frage nach der Deutung und dem Umgang mit dem Leben in all seinen Facetten.

Das Schicksal und die Lebenswege des Einzelnen, aber auch die Geschicke eines Volkes und der Völker, ist ein durchgängiges

Thema.

Unterdrückte Sklaven erleben die Befreiung aus einer Sklaverei – und ihre Nachkommen feiern es bis heute jährlich zum Passa als

große Tat Gottes.

Politische Katastrophen erschüttern das Volk – und Männer Gottes, die Propheten, deuten es und geben dem Widerfahrnis einen

Sinn.

Hiob erleidet sein Unglück – und bis heute verkörpert er in Persona die Frage: „Wenn es Gott gibt den, Gerechten – warum?!“

Auch Jesus wird konfrontiert mit der Frage, warum ein Blindgeborener sein Schicksal zu tragen hat – „Wer hat gesündigt?“ - fragen

ihn die Leute – „Er oder seine Eltern?“ Denn irgend eine Ursache muss es doch haben ...

Und als ein Turm einstürzt, der Turm von Siloah, und Menschen unter sich begräbt, da kommen sie auch und fragen „Warum?“

Aber Jesus erklärt dieses Fragen für sinnlos und biegt sie um in die Richtung eines achtsamen Lebens und einer tätigen Hilfe für

alle, die die Not ereilt.

 

......

 

Einer meiner – und wohl nicht nur meiner – Lieblingsgeschichten in der Bibel, ist die Josephsgeschichte.

Dieser kurvenreiche Weg des Josef, dessen eifersüchtige Brüder ihn zuerst in den Brunnen werfen und dann an eine Karawane

nach Ägypten verkaufen.

Dreimal scheint sein Leben zu Ende.

Dreimal scheint nichts Gutes mehr zu kommen.

Im Brunnenloch verendet, als Sklave aller Selbstbestimmung beraubt, im Gefängnis dahinvegetierend bis der Tod zur Erlösung wird.

Am Ende aber begegnen ihm die Brüder nochmal, als die große Hungersnot ausbricht, er dem Pharao zuvor seine merkwürdigen

Träume deutet – die von den sieben fetten und den sieben mageren Kühen – und er dafür zu Macht & Ehren kommt, und nun am

Ende seinen Brüdern und seiner Familie das Leben schenkt.

Ihr habt es böse mit mir gemeint“, sagt Josef zum Schluss zu seinen Brüdern unter Tränen, „aber Gott hatte andere Pläne mit mir

und Er hat es gut mit mir gemeint.“

 

Ein Happy End, dem unzählige andere Lebensgeschichten und Lebenswege entgegenstehen, die kein Happy End haben.

Aber trotzdem eine Mutmachgeschichte mit Wendungen zum Guten, wie wir alle sie gebrauchen können.

 

......

 

Eine andere Geschichte, nicht aus der Bibel, erzählt von einer alten Frau, deren einziger, stolzer Besitz ein prächtiges Pferd ist. Der

König des Landes will es kaufen und sie dafür reich beschenken – aber sie gibt es nicht her.

Dann ist das Pferd eines Tages weg und der Verlust wiegt schwer.

Als es wieder auftaucht, bringt es andere Pferde mit auf die Weide, eine ganze Herde prächtiger Wildpferde.

Als der Sohn der alten Frau die Pferde zähmen will, bricht er sich die Knochen.

Doch nun bricht ein Krieg aus in dem Land – und wegen seiner Versehrtheit kann und muss er nicht als Soldat in den Krieg uziehen

und behält sein Leben.

Auch dies eine Geschichte voller Auf und Ab.

Immer kommen die Nachbarm zu der alten Frau und fällen ein Urteil: „Es ist ein Unglück!“ klagen sie. „Nun ist es ein Segen!“ jubeln

sie.

Aber jedesmal bleibt die alte Frau, wohl auch aufgrund anderer Lebenserfahrungen, die sie gemacht hat, gelassen. Und sagt

jedesmal: „Ihr seid besessen vom Urteil! Aber ihr lest immer nur einen Satz – ohne all die folgenden Seiten, geschweige denn, das

ganze Buch zu kennen. Ob es ein Glück oder ein Unglück ist, das allein steht bei Gott!“

 

.......

 

Auch dies eine Geschichte, die am Ende gut ausgeht, mit einem Happy End.

Und schon mögen wir abwinken, und all diesen erbaulichen Geschichten, andere entgegenstellen.

Aber gerade die Bibel – und das schätze ich über alle Maßen an ihr – zeichnet das Leben und den Lauf der Welt eben nicht weich

und rosarot, sie beschönigt nichts, sie kennt und benennt das Unglück, das zum Himmel schreit, sie redet von einer unerlösten Welt,

von apokalyptischen Unter- und Übergängen, und – mit Paulus- vom „Seufzen der Kreatur“.

Der so bekannte und vertraute Psalm 23 beinhaltet mit seinem „Der Herr ist mein Hirte!“ eben nicht nur die saftigen Weiden und das

frische Wasser, sondern auch die „Finsteren Täler“ und „das Angescht der Feinde“ – und hält sich IN alledem zu einer göttlichen

Wirklichkeit, die trägt.

Leben also – um noch einmal John Lennon zu zitieren – mag gerade das sein, was uns in die Quere kommt, uns aus der Bahn wirft,

uns Lasten und manchmal Leiden auferlegt.

Anderen übrigens – was wir dann oft vergessen – genauso oder noch viel schlimmer.

 

Wir können darüber schimpfen und dagegen rebellieren.

Daran verzweifeln und untergehen.

Oder eben auch vorschnelle Urteile fällen.

Zu Pessimisten und Zynikern werden.

Die Zukunft abschreiben und von ihr nichts Gutes mehr erwarten.

 

Oder – oft mit einem „Dennoch & Trotzdem“ – leben.

Uns schicken in Dinge, die nicht zu ändern sind, und tun, was in unseren Händen liegt.

 

Unser „Unterwegs-Sein“ im Leben und in der jüdisch-christlichen Tradition darf sich durchaus getragen wissen von einem größeren

Licht über unser kleines, irdisches, ambivalentes Dasein hinaus.

Das kann und will trösten in allen Dunkelheiten durch die wir gehen.

Aber unser Glaube vertröstet auch nicht einfach auf ein Später und auf ein Jenseits.

Sondern darf und will eine tragende und tröstende Kraft sein im Hier und im Jetzt.

 

Auch vor und nach diesen Corona-Zeiten.

Und augenblicklich noch mittendrin.

 

 


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