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Gedanken zur Jahreslosung 2021

 

Jesus spricht: „Seid barmherzig, wie auch Euer Vater im Himmel barmherzig ist!“ Lukas 6, 36

 

Barmherzig zu sein ist gut, keine Frage.Viele brauchen unsere Barmherzigkeit.

Wir selber leben ja davon, dass Andere auch mit uns immer wieder barmherzig sind …

Aber ist das Leben denn barmherzig mit uns?

Steht dem wünschenswerten Ideal der Barmherzigkeit nicht die Tatsache entgegen, dass das Leben selbst oft

unbarmherzig mit uns ist? Und dass uns die Realität des Lebens und des Miteinanders oft Grenzen der

Barmherzigkeit setzt, uns Spielraum und guten Willen raubt? Karl Valentin hat einmal gesagt: „Eigentlich bin ich ganz

anders – ich komm nur so selten dazu!“

 

Wir wissen es doch: Unbarmherzigkeit ist Gift. Unbarmherzigkeit ist ein Teufelskreis, der uns auffrisst und

kaputtmacht. Unbarmherzigkeit kostet Leben, unzählige Leben.

Barmherzigkeit dagegen ist der Stoff, von dem wir letztlich alle leben, jeder von uns, ein Leben lang, Tag für Tag,

immer und immer wieder.

Barmherzigkeit – d.h. in concreto: Nachsicht, Geduld, Verständnis, Mitleid, Verzeihen, Hilfsbereitschaft.

Und dafür steht – als Lebensgrund für uns alle und die gesamte Schöpfung – die göttliche Wirklichkeit, die Jesus

„Abba“ nennt, und wir mit ihm – „Unser Vater im Himmel“.

Ist das nicht Eure eigene Erfahrung? - mag Jesus auch uns sagen und fragen: Wie gut tut es, Barmherzigkeit zu

erfahren! Sie macht uns weich und sie rührt zu Tränen! Sie rettet Leben!

Und sie gilt deshalb nicht nur als eine der großen christlichen Tugenden!

Sie ist auch substantiell und wesentlich in allen großen Religionen!

 

Bevor wir aber auf Andere hin denken, mag die Barmherzigkeit zunächst bei uns selbst beginnen! Denn wieviele

Menschen sind zunächst einmal unbarmherzig mit sich selbst. Unbarmherzig, weil sie sich zu sehr unter Druck

setzen oder unter Druck fühlen. Unbarmherzig, weil sie immer wieder nicht die Ideale erfüllen, die sie meinen erfüllen

zu müssen.

Unbarmherzig, weil sie sich etwas nicht verzeihen und sich selbst nicht vergeben können! Wie gut tut es und wie

befreiend, öffnend, lösend darf da die Erfahrung und der Zuspruch der Barmherzigkeit Gottes sein!

 

Wo aber warten nun Menschen darauf, dass wir in der Folge auch barmherzig über sie denken und barmherzig mit

ihnen sind?

Wie oft machen wir die Erfahrung, Anderen mit unserern Bewertungen und Urteilen Unrecht zu tun? Wie oft steckt

hinter ihrem Verhalten mehr Hilflosigkeit und Bedürftigkeit als böser Wille oder ein böser Charakter?

Und wie oft hätte unsere Bereitschaft zur Barmherzigkeit eine tiefe erlösende Wirkung und würde Dinge möglich

machen, die unsere Hartherzigkeit zuvor verhindert hat?

 

Alles aber, was sich in der Welt aber verändern muss, beginnt bei uns selbst, in unserem Inneren und in unseren

Herzen – und so schreibt der libanesische Dichter Khalil Gibran: „Gott sagt: Seid unbedingt barmherzig und liebet

selbst eure Feinde! Ich habe ihm gehorcht und angefangen - mich selbst zu lieben!“

 


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