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Predigt 1. Advent 2018

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Liebe Gemeinde!

Wofür sind wir empfänglich?

Am vergangenen Buß- und Bettag haben wir hier wieder, wie schon in den Jahren zuvor, einen ökumenischen Abendgottesdienst gefeiert – zusammen mit den freikirchlichen und katholischen Nachbargemeinden und dem CVJM-Adlerbrücke.

Und zuvor hing dieses, wie ich finde, sehr pfiffige, orginelle Einladungsplakat in den Schaukästen: Ein Blickfang, den jeder versteht – mit der der Überschrift: „Bad News – Fake News – Good bzw. God-News“ … d.h. „Schlechte Nachrichten – gefälschte Nachrichten – Gute, von Gott herkommende, Nachrichten“.

Im Rückblick sind wir alle ja durch ein Jahr gegangen, in dem die schlechten Nachrichten – von Unglück, Zerstörung, Krieg & Gewalt – uns täglich zugesetzt haben.

Und hinzu kamen und kommen weiterhin all die gefälschten, manipulierten, erfundenen Nachrichten.

Fake News heisst es seit Donald Trump, Lügenpresse brüllen sie rechtspopulistisch, als Wahlmanipulation wird es von Geheimdiensten eingesetzt, und auch die sozialen Medien sind eine Spielwiese für Lügen und Verschwörungstheorien …

Wofür sind wir empfänglich?

Was erreicht, beeinflusst, prägt und manipuliert uns?

Es ist offensichtlich und mit Händen zu greifen, dass die tägliche Flut von schlechten und falschen Nachrichten uns verändert.

In unserem Denken und Verhalten, in unserem Lebensgefühl und unseren alltäglichen Befindlichkeiten.

Wem oder was kann man noch wirklich trauen?

Pessimismus, Zynismus und Misstrauen prägen uns.

.......

Doch nun – wieder – der 1. Advent.

Der Beginn der Vorweihnachtszeit.

Und die Frage: Wofür sind wir empfänglich? bekommt einen anderen Dreh, eine andere Ausrichtung!

Denn Adventszeit ist eine Zeit des Empfangens, eine Zeit der Empfänglichkeit.

Damit meine ich nicht die Empfänglichkeit für vorweihnachtliche Romantik – mit Weihnachtsdeko, Jingle Bells, Spekulatius und Glühwein.

Sondern die Ausrichtung auf das Kommen Gottes in die Welt und in dem Kind, dessen Geburt wir in vier Wochen miteinander feiern.

Siehe, Dein König kommt zu Dir. Ein Gerechter und ein Helfer!“

heisst es in Sacharja 9,9 – dem Wochenspruch zum 1. Advent und unser Predigtwort heute.

Und der da kommt, will empfangen werden.

Fragt nach unserer Empfänglichkeit – inmitten einer Welt, in der sovieles aus dem Ruder läuft und an uns zerrt.

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Siehe, Dein König kommt zu Dir. Ein Gerechter und ein Helfer!“

Dieses Biblische Wort hat zunächst mit Jesus, Advent und Weihnachten gar nichts zu tun.

Denn es ist ein Prophetenwort, das verortet ist 500 Jahre vor Christi Geburt nach unserer Zeitrechnung und hineingesprochen in eine Umbruchsituation für das Volk Israel: Die Katastrophe der sog. Babylonischen Gefangenschaft, wo sie unter der Herrschaft des Babylonischen Reiches unter Nebukadnezar vertrieben und verschleppt wurden aus ihrer Heimat, der Tempel zerstört, aller Hoffnung & Verheißung beraubt, war zu Ende.

Rückkehr, Neubeheimatung und Wiederaufbau auch des Tempels in Jerusalem war angesagt.

Aber es war auch viel Verzagtheit zu überwinden und Mut zuzusprechen.

Es war eine Umbruchzeit.

Und die Menschen waren hin und hergerissen und blickten keineswegs fröhlich und unbeschwert in die Zukunft.

Wofür waren sie empfänglich?

Wofür hatten Sie Augen und Ohren?

Wofür waren ihre Herzen und Seelen offen?

Was erzählen sie ihren Kindern, die sie großzogen?

Und was dachten die Alten, wenn sie an die Zukunft dachten, die sie nicht mehr erleben würden?

......

Siehe, Dein König kommt zu Dir. Ein Gerechter und ein Helfer!“

Dieses Prophetenwort – 500 Jahre vor Christus – reisst einen Horizont auf, der über das Hin- und Her von Geschichte und Politik hinausgeht, Gottes Wirklichkeit ins Spiel bringt und den Blick der Hörer wecken will - mit einem 'Siehe, seht, schaut hin!'

Gott kommt Euch, uns, der Welt, von vorn entgegen.

  • Als König – der nichts, aber auch garnichts gemein hat, mit den Königen, Herrschern, Diktatoren, Unterdrückern dieser Welt – damals wie heute.

  • Als der, dessen Wirken & Regieren auf Gerechtigkeit aus ist – im Gegensatz & Widerspruch zu all den Profiteuren von Ungleicheit und Ausbeutung und Selbstbereicherung.

  • Und als Helfer hin zum Schalom – zur friedlichen Erfüllung und Entfaltung des Lebens und der guten Schöpfung auf diesem Planeten.

Das sind steile Sätze ...  Kanzelrede halt, fromm-gedrechselte Sprache, lebensfernes Gepredige? Mehr nicht?

Ich habe jedenfalls die Predigt begonnen mit der Frage: Wofür sind wir empfänglich?

Und es ist 1. Advent, Vorweihnachts-Zeit.

Empfänglich, ja, sind wir auf jeden Fall für das was wir Fakten nennen, Realität, knallharte Wirklichkeit.

Oder eben für Manipilation und sog. Fake-News - und darin sehr verängstigt und verunsichert.

Aber offen für eine Antwort auf das Siehe, Dein König kommt zu Dir. Ein Gerechter und ein Helfer!“???

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Die Christen jedenfalls, die mit Jesus waren zu Lebzeiten und danach, und die frühe Kirche, haben das Sacharja-Wort auf das bezogen, was wir in vier Wochen wieder weltweit feiern werden:

Die Geburt Christi.

Das Kind in der Krippe.

In ihm kommt Gott, Gottes Geist, Gottes Frage an uns in diese Welt:

Seid Ihr empfänglich?

Wollt Ihr Euch rufen und einladen lassen zu einem „Neuen Sein“, einem anderen Leben und Weltgestalten?

Ihr kleinen Leute und Ihr Machthaber, Strippenzieher, Weltenlenker?

Wollt Ihr – oder wollt Ihr nicht?

........

Das Kind in der Krippe kommt uns zum Segen.

Wir müssen es nicht behaupten in Religionskriegen und Rechthaberei.

Wir haben es nicht gepachtet – weder evangelisch noch katholisch noch sonstwas.

Und es bleibt auch kein Kind, sondern wird ein Mann, der herausfordert und provoziert – mit seiner Bergpredigt von Barmherzigkeit, Entfeindung, Freiheit und Demut zugleich.

Am Ende gekreuzigt dafür, scheinbar gescheitert.

Und trotzdem lebendig, gegenwärtig, auferstanden – wie immer wir das für uns interpretieren.

Aber sonst wären wir nicht hier.

Gäbe es kein Advent und Weihnachten – auch in Wuppertal und im Kalenderjahr 2018.

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Wofür – ein letztes Mal heute morgen gefragt – sind und bleiben wir empfänglich?

Adventszeit ist die Ankunftszeit Gottes in unsere Welt – für Sacharja im alten Israel, für die ersten Jesus-Empfänger & Nachfolger zu neutestamentlicher Zeit und für uns, die Welt, die Menschheit, über die Jahrhunderte hinweg.

All unser gottesdienstliches Tun heute morgen zum 1. Advent ist so etwas wie ein „Ein-tunen“ unserer Herzen, Seelen & Gedanken auf das adventliche Kommen Gottes.

Und ein Bitten, dass unsere kranke Welt und ihre Machthaber adventlich werden.