Willkommen

auf meiner Homepage

PREDIGT ZUR PASSIONSZEIT (Unterbarmer Hauptkirche - 24.3.19)

"Wollt Ihr auch weggehen?"

foto COR

Ich bin raus!“ heisst es u.U. bem Skat und beim Pokern, wenn die Karten, die ich in der Hand habe, schlecht sind.

Ich spiel nicht mehr mit!“ sagen schon Kinder, wenn sie die Lust verlieren am gemeinsamen Spiel auf dem Schulhof, weil sie sich benachteiligt fühlen oder schlecht behandelt.

Lauft mal ohne mich weiter!“ sagt der Jogger, der außer Puste ist.

Und der Geschäftspartner, der für sich keinen Vorteil mehr sieht, steigt aus und verzichtet auf den Deal.

Heute, am dritten Sonntag der Passionszeit, möchte ich darüber predigen, ob und wie dieses „Ich bin raus! Ich steig aus! Macht ohne mich weiter!“ auch im Blick auf den Jesus gilt, dessen Weg ans Kreuz und dessen Passion wir in diesen vorösterlichen Wochen bis zum Karfreitag vor Augen haben …

Ich lese aus dem Johannesevangelium, Kapitel 6:

Viele von denen, die mit ihm waren, und ihm zugehört hatten, sagten: „Das ist eine harte Rede! Wer kann sie hören!“

Und Jesus sah, dass sie murrten und unwillig waren und Ärgernis an ihm nahmen.

Was ich Euch sage“, sprach er, „sind Worte des Lebens und es ist Gottes Geist, der aus mir spricht!“

Aber er sah ihren Unglauben.

Und in der Tat zogen sich Viele seiner Jünger zurück und gingen nicht mehr mit ihm.

Da sprach Jesus zu den Zwölfen: Wollt Ihr auch weggehen?

Aber Simon Petrus antwortete ihm: Herr, wohin sollen wir denn gehen?

Du hast Worte des Ewigen Lebens und wir haben erkannt, dass Du der Christus bist, der Sohn des lebendigen Gottes!“

..............

Schon damals gab es also drei Gruppen von Menschen:

Da waren die, die von Anfang an mit diesem Jesus von Nazareth nichts am Hut hatten.

Und die, die ihm bis zum Schluss und darüber hinaus die Treue hielten.

Dazwischen aber auch welche, und wohl nicht wenige, die zunächst von ihm fasziniert waren und angezogen, neugierig und bereit, sich auf ihn einzulassen, mit ihm zu gehen, ihm zu folgen. Die dann aber – ab einem bestimmten Punkt – wieder weg waren … „Ich bin raus! Ich steig aus! Macht ohne mich weiter!“

...............

Dieser Bibeltext, mittig in der Passionszeit, stellt uns die schlichte Frage – und das formulier' ich jetzt mal im „Verkaufsjargon“: Was dieser Jesus – an den die Christenheit ja seit 2000 Jahren mehr oder weniger glaubt – denn uns und der Welt zu bieten hat?

Was hat er – der ja auch die Mitte auch dieses Gottesdienstes und auch der Taufe heute morgen ist – im Angebot?

Was ist der Deal, wenn ich sage: „Wir sind im Geschäft! Ich bin dabei! Ich unterschreib'!“

Machen wir uns nichts vor, wenn ich das so formuliere:

Was wir hier tun, ist für eine wachsende Anzahl von Menschen in unserer Gesellschaft zunehmend exotisch!

Religion hat im Augenblick keinen guten Marktwert.

Gotteskrieger & Kindesmissbrauch fällt Vielen eher ein als Trost, Friede, Liebe & Gerechtigkeit, wenn es um Glaube geht.

Und Kirche ist für Viele ein Reizwort mit Fluchtreflex.

............

Und nun wieder im Kirchenkalender die Passionszeit, Karfreitag und das christliche Osterfest.

Was ist bei alldem nun mit Jesus Christus, in dessen Namen wir auch heute morgen hier sind.

Viele von denen, die mit ihm waren, und ihm zugehört hatten, sagten: „Das ist eine harte Rede! Wer kann sie hören!“

Und Jesus sah, dass sie murrten und unwillig waren und Ärgernis an ihm nahmen.

Was ich Euch sage“, sprach er, „sind Worte des Lebens und es ist Gottes Geist, der aus mir spricht!“

Aber er sah ihren Unglauben.

Und in der Tat zogen sich Viele seiner Jünger zurück und gingen nicht mehr mit ihm.

...............

Ja, wenn es in unserer Gesellschaft noch Erwartungen an Kirche gibt, dann stehen diese in einem bestimmten Horizont von Zuwendung:

Trost an Gräbern, Feierlichkeit zur Hochzeit, praktische Hilfe für die Notleidenden, ein bisschen Wertevermittlung für die Kinder, Diakonie für die Alten & Kranken, ein bisschen Erbaulichkeit zu den Hochfesten - und die heilige Dreifaltigkeit pastoraler Dienste & kirchlicher Einrichtungen heisst „Trost, Rat, Zuspruch“.

All diese Erwartungen haben ihr Recht.

Und gründen sich zu Recht im Evangelium und in Jesus selbst.

Denn in ihm – so sagt es uns die jährliche Weihnachtsbotschaft – erscheint die Menschenfreundlichkeit Gottes.

Bei ihm fanden Menschen ja Heilung, Annahme und Vergebung.

Kranke heilte er, Traurige tröstete er, Entmutigten gab er Mut und Lebensfreude zurück.

Vielleicht ist es das alte Bild vom „Guten Hirten“, dass diese Seite an ihm besonders treffend überliefert.

In seinem Namen taufen wir Kinder und hören sein Wort: „Lasst die Kinder zu mir kommen und verwehrt es ihnen nicht!“

In seinem Namen feiern wir das Abendmahl, mit dem Zuspruch der Vergebung unserer Sünden.

Und in seinem Namen geschieht in unserer Gesellschaft, in unserem Land und in der weltweiten Ökumene unendlich viel Gutes durch Menschen für Menschen.

..............

Was aber ist mit unserem Text heute?

Viele von denen, die mit ihm waren, und ihm zugehört hatten, sagten: „Das ist eine harte Rede! Wer kann sie hören!“

Und in der Tat zogen sich Viele seiner Jünger zurück und gingen nicht mehr mit ihm.

Diese Stelle finde ich, in der Mitte der diesjährigen Passionszeit, wichtig und bedenkenswert.

Denn in dem Mann aus Nazareth, den auch wir mit Petrus bekennen als den Christus und Gottessohn, begegnet uns auch die Seite, die uns widerspricht, die uns provoziert, herausfordert und ins Unrecht setzt.

Ein „Weiter so!“ hören auch wir bis heute nicht von ihm.

Ein „Ich will so bleiben wie ich bin! Du darfst!“ war nicht seine Werbemelodie.

Vielmehr rief er Menschen zur Besinnung und zur Umkehr von ihren verkehrten Wegen.

Er warnte davor, dass Vieles von dem, was wir leben und tun und für richtig halten, uns ins Verderben führt.

  • Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon – d.h. Geld & Profit zu dem machen, was alles regiert und Euch beherrscht!“ - Für mich Kapitalismuskritik pur und eine radikale Infragestellung unseres westlichen Lebensstils und unserer Werte. Und wir merken doch zunehmend, wie recht er hat, wenn wir an die Welt denken, die wir unseren Kindern und Enkeln hinterlassen werden.
  • Ja, dieser gute Hirte Jesus sprach davon, dass Gewalt und Vergeltung, Habgier und Lüge, Ausgrenzung von Menschen und Ignoranz gegenüber Not und Armut – dass all das, uns kapuzt macht – und seine Botschaft war: „Kehrt um! Lasst es sein! Schaut in Euch hinein und lebt anders!“ - Ihr da oben und ihr da unten, ein Jeder, denn im Herzen, im Kleinen, in jedem von uns fängt es an.

Viele von denen, die mit ihm waren, und ihm zugehört hatten, sagten: „Das ist eine harte Rede! Wer kann sie hören!“

Und in der Tat zogen sich Viele seiner Jünger zurück und gingen nicht mehr mit ihm.

.............

Ich werde und will all das jetzt nicht weiter vertiefen.

Aber in der Mitte der Passionszeit, in der wir heute morgen sind, haben wir das zu hören.

Auch für Niklas und all die Kinder, deren Geburt und Leben wir doch feiern.

Und die noch atmen, lachen, feiern und fröhlich sein sollen auf ihrem Lebensweg und in der Zukunft

 

Nein, Kirche – wenn sie Jesus folgt – bietet nicht nur Trost.

Sondern sie geht auch den Kreuzweg mit Jesus.

Sie hört seine „harte Rede“ und muss sie an die Welt weiter geben.

Aber sie hört in alldem, was dieser Jesus uns, damals wie heute, zumutet, auch das Evangelium, die Hoffnung und den Zuspruch:

Kehrt um und ihr werdet leben.

Lasst ab von Eurem bösen Tun, dann wird Eure Heilung voranschreiten.

Denn ich, Euer Gott, weiss wohl, was ich für Gedanken über Euch habe – Gedanken des Friedens und nicht des Leides!“

 


Datenschutzerklärung