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Aktuelle Predigt (vor der Passions- und Osterzeit)

23.2. Unterbarmer Hauptkirche

Collage COR "Cross & Wings"

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Liebe Gemeinde, liebe Tauffamilie!

 

Dass dieser Jesus irgendwie ein Guter war, dass er Gutes wollte, Gutes getan hat – das würden wohl die meisten Menschen

so sagen.

Der war doch für Nächstenliebe, und so.

Vom barmherzigen Samariter hat erzählt, der sich gekümmert hat um den unter die Räuber Gefallenen.

Und da ist doch die Geschichte von dem Sohn, der von zu Hause abgehauen ist, aber den sein Vater wieder aufnimmt

hinterher, den verlorenen Sohn.

Menschen hat er geheilt, dieser Jesus, und Gutes getan.

Das lernen schon die Kinder im Kindergottesdienst oder aus den Geschichten in der Kinderbibel.

Ja, dieser Jesus war grundsätzlich ein Guter – so verbuchen wir ihn, auch die Kirchenkritischen und sogar die anderen

Religionen mit ihrer je eigenen Zugangsweise zu diesem Mann aus Nazareth.

 

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Was aber ist es am Ende mit ihm?

Was ist mit seinem Tod am Kreuz? Wie ist das zu verstehen?

Und noch weiter: Was ist das mit der Behauptung, er sei auferstanden, auferweckt, auf andere Weise bis heute der

Präsente und Lebendige? Was ist mit diesem christlichen Osterfest?

 

Der heutige Sonntag jedenfalls ist eine Schnittstelle im Kirchenjahr.

Denn wir stehen mit ihm – nach den Karnevalstagen – im Übergang zur vorösterlichen Passionszeit.

Ab kommenden Sonntag beginnt sie – 7 Wochen des Zugehens zunächst auf den Karfreitag und dann auf das Osterfest.

 

Und auf diesem Hintergrund hören wir bitte jetzt auf den für heute vorgeschlagenen Predigttext aus Lukas 18, 31 – 43:

 

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Zwei verschiedene Begebenheiten, die scheinbar nichts mit einander zu tun haben, begegnen uns da in einem Predigttext:

Jesus, der seine Jünger, seine Freunde und Nachfolger, um sich gescharrt hat.

Und ihnen – bei Lukas zu dritten mal – davon erzählt, dass sein Weg nun ins Leiden führt, ins scheinbare Scheitern, zu

seinem gewaltsamen Tod.

Und Jesus, der auf dem Weg nach Jerusalem – wo sein Leben ein Ende finden wird – einen Blinden heilt und ihn sehend

macht.

Warum diese beiden Begebenheiten in eins und so – in der gestaltung und Komposition des Lukas – aufeinanderfolgend?

 

 

Seit 2000 Jahre Christentumsgeschichte ist das Lebensende Jesu, sein Kreuz, uns Menschen ein Rätsel.

Es ist das Symbol der der Christenheit geworden.

Keine Kirche – auch due unsere nicht – ohne ein Kreuz, in welcher Form auch immer, bei uns ein Geschenk des Künstlers El

Loko, in vielen katholischen Kirche ein Kreuz sogar als Kruzifix mit dem Gekreuzigten selbst vor Augen.

Was ist das?

Warum hängt er da?

Wie ist sein Leidensweg und sein Sterben zu verstehen?

 

Und nocheinmal gefragt:

Was ist das für eine unglaubliche, rätselhafte, total anfechtbare Geschichte am Ostermorgen – als es heißt: „Jesus ist

auferstanden – Er ist wahrhaftig auferstanden?“

 

Ich lese gerade ein frommes Buch mit dem Titel „Ist das Gott oder kann das weg? Warum Ostern ein merkwürdiges Fest

ist.“

Und da schreibt der Autor – ein Christ, Gemeindepädagoge und Kabarettist:

Meines Erachtens ist das Christentum die merkwürdigste Religion, die es gibt.

Das fällt uns kaum noch auf, weil der christliche Glaube in unseren Breiten solange die vorherrschende kulturelle Kraft

gewesen ist. Seine Symbole umgeben uns auf Schritt und Tritt. Wenn ich mir zum Beispiel ein schmuckes Kreuz um den

Hals hänge, kommt mir nicht einmal in den Sinn das es sich dabei um ein römisches Foltergerät handelt.

Oder Weihnachten. Wir haben uns so daran gewöhnt, dass die Energie, die das ganze Universum geboren haben will, als

Baby zur Welt kommt – in einer ärmlichen Handwerkerfamilie in Hintertupfingen.

Kannste dir echt nicht ausdenken.

Normalerweise sterben Götter nicht an Kreuzen.

Und dann die Sache mit der anschließenden Auferstehung.

Wenn es schon gilt, die Welt von sowas zu überzeugen, dann hätte man das ganze mit Ostern und dem Auferstandenen

doch ganz anders in Szene setzen müssen, schon damals!

Ein Auferstehungstrip nach Rom“ mit großem Auftritt vor den damaligen Kaiser hätte doch drin sein müssen im

Römischen Weltreich. „Mit anschließender Welttournee. Oder wenigstens eine Erscheinung des Auferstandenen im

Jerusalemer Tempel, mit „Meet & Greet the Messiah“, anschließender Führung durch das leere Grab und

Autogrammstunde. Das hätte den ganzen Zweiflern und Kritikern doch das Maul ein für allemal gestopft … Wer war denn

da bloß der Marketingberater dieser Gurkentruppe? …

Wie konnte um alles in der Welt aus dem Glauben an so einen Gott eine Weltreligion entstehen?“

 

Ende des Zitats – am Wochenende zu Karneval.

Aber doch sehr ernsthaft, bevor es ab Aschermittwoch dann 7 Wochen mit dem Kreuzweg Jesu auf Karfreitag und dann auf

das große Osterfest zugeht.

 

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Schon die Jünger damals – zurück zum Predigttext! - verstanden nichts davon, als ihr Jesus ihnen ankündigt: Nun gehen

gehen wir den Weg nach Jerusalem und ihr werdet erleben, dass ich verspottet und misshandelt und angespuckt werde

und dass sie mich töten werden – und mein Tod doch nicht das letzte rt hat!

Denn, so lesen und hören wir in Vers 34 : “Sie aber verstanden nichts davon und der Sinn der Rede war ihnen verborgen

und sie begriffen nicht, was damit gesagt war.“

 

Wie auch?

Wenn Gott in ihm, mit ihm war, hieße das – es war sein Scheitern.

Vor aller Augen, vor aller Welt.

Jesus kein Gott, kein Gott bei Jesus.

Und die ganze Sache mit ihm: Eine Farce, ein Witz, ein Bluff.

Ab nach Hause danach, drüber wegkommen, sich aus dem Staub machen.

 

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Jesus war ein Guter, sagen die meisten Menschen immer noch, bis heute über Jesus.

Wirklich?

War er das?

Wieso sitzen wir heute morgen – am 23.2.2020 unserer westlich-zivilisatorischen Zeitrechnung – in einer Kirche, vor dem

Kreuz, vor einem Buch namens Bibel und schütten einem Kleinkind im Namen von diesem Jesus etwas Wasser über den

Kopf?

 

 

Es bleibt die zweite Geschichte, die zum heutigen Predigttext dazu gehört: Die Heilung eines Blinden.

Auf dem Weg nach Jerusalem, Richtung Passion – die Jünger immer noch verwirrt, empört, kopfschüttelnd, fassungslos –

begegnet ihnen ein Blinder.

Und hier ist nun mit Händen zu greifen, warum der Evangelist Lukas diese Geschichte dazwischen schiebt.

Was willst Du, dass ich für Dich tun soll? Fragt Jesus ihn.

Und er antwortet: „Herr, dass ich sehen kann! Dass Du mir die Augen öffnest! Dass ich sehen , erkennen, blicken, in

Kontakt kommen kann – und sich mir etwas auftut ! Dass mir ein Licht aufgeht!“

 

Es geht also gar nicht primär darum, dass und ob und wie Jesus mal wieder ein Wunder tut – wie alle Heiler, Schamanen,

Medizinmänner hier und da die medizinischen Erklärungsversuche herausfordern … Sondern es geht darum, dass

  • die Frage, wer Jesus nun tatsächlich ist,

  • was und wer uns in ihm begegnet,

  • was sein Kreuz und sein Sterben für einen Sinn macht

  • und was Ostern, seine Auferweckung und Lebendigkeit und Bedeutung und Präsenz bis heute, bedeutet …

dass dafür ein „Augen öffnen!“ und eine „Blindenheilung“ angesichts unseres Nichtverstehens und Nichterkennens und

Nichtbegreifens passiert.

Bei Dir und bei mir.

 

Denn der Kabarettist hat doch recht: Was für eine merkwürdige Religion, was für ein merkwürdiger Glaube ist das – Gott

im Kind, Gott am Kreuz, Gott im auferstandenen, lebendigen und präsenten Christ bis heute.

Wahnsinn.

Unbegreiflich.

Entweder eine üble Story – oder die größte Story der Weltgeschichte, damals wie heute und morgen.

 

Ist das Gott – oder kann das weg?“ heisst der zitierte Buchtitel.

Klingt frech, ist aber genauso!

 

Und wenn dies heute die Predigt an der Schwelle zur Passionszeit ist, dann ist es eine Einladung:

Sieben Wochen in unseren Gottesdiensten wie der Blinde zu kommen und zu bitten: „HERR, öffne mir, öffne uns die Augen!

Mach UNS sehend! Lass UNS erkennen und blicken, wer Du bist im Kreuz und welche Revolte gegen den Tod das Osterfest

für die Welt und für uns alle ist!“

 

Amen

 

 


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